• Dürre und Überschwemmungen in mehr als zwei Dritteln des Landes, politische Spannungen, die COVID-19-Pandemie und Heuschreckenplagen bedrohen die Ernährungssicherheit der Menschen.
  • Knapp 12,3 Millionen Menschen in Somalia werden mit hoher Wahrscheinlichkeit in der zweiten Jahreshälfte keinen Zugang zu humanitärer Hilfe haben.
  • Derzeit stehen nur 30% der benötigten finanziellen Mittel zur Verfügung. IRC fordert die internationale Gemeinschaft auf, fehlende Mittel für humanitäre Hilfe bereitzustellen.

Somalia leidet derzeit unter der Verschärfung des Konflikts, zunehmenden Vertreibungen und einer eskalierenden Ernährungsunsicherheit aufgrund von ausbleibenden Regenfällen und Heuschreckenplagen. Zusätzlich ist das Land akut von den schwerwiegendsten Finanzierungsengpässen seit mehr als einem halben Jahrzehnt bedroht. Ohne angemessene Finanzierung der humanitären Organisationen haben insbesondere die 2,9 Millionen Binnenflüchtlinge keinen Zugang zu Nahrungsmitteln, Unterkünften, Bildung, Wasser, sanitären Einrichtungen und Gesundheitsversorgung. International Rescue Committee (IRC) ruft die internationale Gemeinschaft daher auf, die somalische Bevölkerung zu unterstützen und sich zu verpflichten, die dringend benötigten finanziellen Mittel bereitzustellen. Derzeit ist der Bedarf nur zu 30 Prozent gedeckt.

Abdirizak Ahmed, stellvertretender Landesdirektor IRC Somalia, sagt:

„Knapp die Hälfte der 12,3 Millionen Einwohner*innen Somalias läuft Gefahr, in der zweiten Jahreshälfte aufgrund fehlender Mittel keinen Zugang zu lebensrettenden Maßnahmen zu haben. Von den 5,9 Millionen Menschen, die humanitäre Hilfe benötigen, sind fast die Hälfte aus ihren Häusern vertrieben worden. Allein seit Januar sind mehr als eine halbe Million Menschen geflohen, 66 Prozent von ihnen aufgrund von Gewalt und Unsicherheit in Folge der Wahlen.“

„Die weltweite Hungerkrise, die durch Konflikte, wirtschaftliche Turbulenzen und klimabedingte Schocks angeheizt wird, hat sich durch die COVID-19-Pandemie noch verschärft. Somalia ist da kein Einzelfall. Dürre und Überschwemmungen in mehr als zwei Dritteln des Landes, politische Spannungen, die COVID-19-Pandemie und die schlimmste Wüstenheuschreckenplage seit Jahren haben die Ernährungsunsicherheit verschärft. Gleichzeitig sind die von den Geldgebern für akute Unterernährung bereitgestellten Mittel unzureichend. Die Verpflichtungen der G7-Staaten, den Hunger zu bekämpfen, werden weder auf globaler Ebene noch in Somalia erfüllt. Ohne zusätzliche Mittel in der zweiten Jahreshälfte werden eine Million Menschen in Somalia, die von Hunger bedroht sind, nicht mit Nahrungsmitteln versorgt werden können. Mit der Dürre und dem eingeschränkten Zugang zu Ressourcen hat auch das Risiko geschlechtsspezifischer Gewalt zugenommen. Strategien zur Verhinderung von Hungersnöten in fragilen und konfliktbetroffenen Staaten müssen die Widerstandskraft und die Führungsrolle von Frauen und Mädchen in den Mittelpunkt stellen.“

IRC ist sei 1981 in Somalia aktiv. Im Laufe der Jahre musste die Arbeit aufgrund von Instabilität und Unruhen mehrfach unterbrochen werden, seit 2007 ist sie dauerhaft gewährleistet. IRC arbeitet in Somalia mit lokalen Behörden zusammen, um den Zugang zu Wasser und sanitären Einrichtungen zu verbessern, die Programme zur Unterstützung von Familien bei der medizinischen Versorgung unterernährter Kinder auszuweiten und bedingungslos finanzielle Mittel bereitzustellen, damit die Menschen schnell die Unterstützung erhalten, die sie benötigen. IRC hat außerdem Wasserquellen wiederhergestellt sowie mobile Gesundheitsdienste eingerichtet, um die am stärksten betroffenen Gebiete zu erreichen und sicherzustellen, dass die Bevölkerung Informationen zum Schutz vor COVID-19 erhält.