Aufnahme von Geflüchteten auf historischem Tiefstand

  • Während der weltweite Bedarf an Umsiedlungen von Geflüchteten von 2018 bis 2019 um 17 Prozent gestiegen ist, haben die Vereinigten Staaten ihre jährliche Aufnahmeobergrenze um ein Drittel – auf ein historisches Tief von 30.000 – gesenkt.
  • IRC hat eine Analyse veröffentlicht, in der die Auswirkungen der Senkung der US-amerikanischen Aufnahmeobergrenze auf die am stärksten gefährdeten Menschen der Welt dargelegt werden.
  • Ein Gesetzesentwurf im Kongress, der GRACE Act, würde sicherstellen, dass die USA mindestens 95.000 Geflüchtete pro Jahr aufnehmen. Dies entspricht dem historischen Durchschnitt.
Länderdaten
  • Bevölkerung: 327,1 Millionen
  • Position im Index der menschlichen Entwicklung: 13 von 189
IRC vor Ort
  • Beginn der Aktivitäten: 1933
  • Umgesiedelte Menschen: Über 370.000 seit 1975

Überblick

Die USA hat eine lange Tradition, Geflüchtete durch offizielle Umsiedlungsprogramme (Resettlement) aufzunehmen. Seit 1975 kamen über drei Millionen Menschen in die USA. Doch unter Präsident Trump geht die Zahl der genehmigten Anträge stark zurück. Derzeit wird nicht mal ein Prozent der Geflüchteten weltweit offiziell per Umsiedlung in ein Drittland wie die USA aufgenommen.

Wie viele Geflüchtete werden in die USA umgesiedelt?

Über das offizielle Resettlement-Programm kamen im Jahr 2018 lediglich 22.900 Geflüchtete in die USA – die niedrigste Zahl seit Jahrzehnten. 2017, im ersten Jahr unter Präsident Trump, wurden 53.716 Menschen offiziell umgesiedelt. 2016, im letzten Jahr der Obama-Administration, waren es noch 84.994.

Die USA sind eines von 28 Ländern, die Resettlement-Programme betreiben. Im Jahr 2018 wurden rund 90.000 Geflüchtete weltweit über offizielle Programme umgesiedelt. Das entspricht nicht einmal einem Prozent der mehr als 70 Millionen Geflüchteten auf der Welt.

Wie werden die Geflüchteten ausgewählt?

Der Flüchtlingsstatus wird von den Vereinten Nationen festgelegt. UNHCR, eine anerkannte Hilfsorganisation oder eine Botschaft übermitteln die Umsiedlungsanträge. Um in das US-Programm zu kommen, müssen die Asylbewerber*innen gewisse Kriterien erfüllen. Jeder Fall wird einzeln entschieden. Geflüchtete werden intensiver untersucht als jede andere Gruppe, die in die USA einreisen will.

Vorrang haben Geflüchtete, die Opfer von Gewalt geworden sind. Verstöße gegen Völkerrecht und Menschenrechte sind kein Anerkennungsgrund.

Wie funktioniert der Umsiedlungsprozess?

Der Prozess dauert in der Regel bis zu 36 Monate und wird nach der Ankunft der Geflüchteten in den USA von weiteren Sicherheitskontrollen begleitet.

Das Resettlement Support Centre (RSC) koordiniert diese Arbeit. Es wird von Hilfsorganisationen wir IRC betrieben und hilft Geflüchteten und ihren Familien bei der Vorbereitung ihrer Fälle für die Sicherheitsfreigabe beim Ministerium für Innere Sicherheit der Vereinigten Staaten.

Die Geflüchteten werden anhand verschiedener Kriterien im Land verteilt, sind danach aber frei, an einen anderen Ort zu ziehen. IRC und acht weitere Organisationen kümmern sich um die erfolgreiche Integration der Geflüchteten in den USA.

Vor der Reise in die Vereinigten Staaten müssen sich die Geflüchteten verpflichten, die Kosten für den Transport an die USA zurückzuzahlen. Außerdem erhalten sie Unterricht mit den wichtigsten Informationen über die amerikanische Kultur.

Nach der Ankunft werden sie von IRC-Mitarbeitenden oder anderen Organisationen empfangen, die sie beim Ankommen unterstützen. Die Organisationen sind zuständig dafür, eine erschwingliche Unterkunft für die Neuankömmlinge zu finden und ihnen eine Grundausstattung, Essen und andere Soforthilfe zukommen zu lassen.

Die Ankommensphase dauert 90 Tage, in denen die Geflüchteten diverse Unterstützung erhalten:

  • Einführung in das lokale Gesundheitssystem
  • Englischkurse
  • Unterstützung beim Finden von psychosozialen Hilfsdiensten
  • Informationen über das Schulsystem und Schulausstattung für Kinder
  • Finanzierung für die ersten drei Monate
  • Berufsberatung und Vermittlung
Wie hilft IRC?

IRC unterhält 25 Büros in den Vereinigten Staaten, die neu eingetroffene Geflüchtete unterstützen. Durch ein Netzwerk von Mitarbeitenden und Freiwilligen hilft IRC den Geflüchteten bei der Ankunftsphase und dem Überwinden kultureller Barrieren.

Ein beispielhaftes Projekt ist das New-Roots-Programm. Viele der Geflüchteten waren in ihrer Heimat Bauern, können diese Fähigkeiten aber in den bebauten Städten der USA nicht mehr nutzen. Mit New-Roots lernen interessierte Geflüchtete die Besonderheiten des jeweiligen Klimas kennen und bekommen die Möglichkeit, sich auch weiterhin zu einem gewissen Teil selbst zu versorgen.