MäR-Wert: Reflexion über Werte in Deutschland

Der Prozess des Ankommens in der deutschen Gesellschaft bringt für geflüchtete Menschen viele Belastungen und Stressfaktoren mit sich. Das Ankommen in der neuen Kultur und das Erlernen von unausgesprochenen Spielregeln und gesellschaftlichen Werten und Normen in Deutschland ist nicht einfach. Daher brauchen die meisten Geflüchteten aus arabischen Ländern eine kultursensible Begleitung. 

Vor allem geflüchtete junge Männer bekommen in Bezug auf kultursensible Begleitung und Hilfe bei der Identitätsfindung wenig Unterstützung. Dabei sind zwei Drittel der geflüchteten Menschen, die seit 2015 in Deutschland angekommen sind, männlich. In der Gruppe der 16- bis 29-jährigen waren es sogar über 70 Prozent.

Ansatz

Traditionelle Rollenbilder

Männliche Geflüchtete stehen häufig unter besonders großem Druck: Sie müssen Arbeit finden und eigenes Geld verdienen, um der ihnen kulturell zugeschriebenen Rolle als Beschützer und Versorger der Familie gerecht zu werden. Die vielfältigen Lebensentwürfe, die ihnen in Deutschland begegnen, widersprechen häufig ihrer Herkunftssozialisation und sorgen für Irritationen. Patriarchale Strukturen und Vorstellungen von Ehre und Männlichkeit lassen jungen Männern wenig Raum, sich über ihre Erfahrungen und Gefühle auszutauschen.

Strukturelle Diskriminierung

Viele junge männliche Geflüchtete leiden zudem unter dem Stigma des machohaften Migranten und Gewalttäters und damit einhergehenden Erfahrungen von Rassismus und struktureller Diskriminierung. Im Vergleich zu Frauen und Familien leben sie häufiger in Gemeinschaftsunterkünften, wo fehlende Rückzugsmöglichkeiten und Gefühle der Fremdbestimmtheit zu vermehrtem Stress und Frustration führen. 

Gesprächsgruppen auf Arabisch

Mit dem Programm MäR-Wert Deutschland bieten IRC Deutschland und der Sport- und Kulturclub Salam e.V. Gesprächsgruppen auf Arabisch für junge männliche Geflüchtete in Berlin an. Ziel des Projektes ist es, den jungen Männern zentrale Grundwerte der deutschen Gesellschaft zu vermitteln und ihnen lebenspraktische Orientierungshilfen zu geben. Das Programm soll zu ihrer psychischen Entlastung beitragen. Sie sollen darin unterstützt werden, auf lange Sicht eine neue, bi-kulturelle Identität zu entwickeln.

Begleitet von einem speziell ausgebildeten arabischsprachigen Gesprächsleiter und Mentor, diskutieren die Teilnehmer der Gesprächsrunden Grundwerte wie Gleichberechtigung, Freiheitsrechte und das Verständnis von Rechtsstaat und Demokratie. Es wird jeweils ein Thema zur Diskussion gestellt. Die Teilnehmer werden dazu ermutigt, ihre eigenen Einstellungen zu diesem Thema zu reflektieren. 

Zur Durchführung der Gesprächsgruppen entwickeln IRC Deutschland und Salam e.V. ein Curriculum. Dabei fließen die weitreichenden Erfahrungen von IRC als international tätiger Hilfsorganisation und des syrischen Vereins Salam e.V., der seit 2014 geflüchtete Syrer*innen bei ihrem Ankommen in Berlin unterstützt, in die Ausgestaltung des Curriculums mit hinein.

Projektdetails

Laufzeit: 01.08.2019 – 31.07.2021

Geber

Das Programm MäR-Wert Deutschland wird vom Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) gefördert.