• Dramatische Folgen aufgrund katastrophaler Lebensverhältnisse befürchtet
  • Syrisches Gesundheitswesen nach 9 Jahren Krieg weitgehend zerstört
  • Unzureichende Grenzübergänge erschweren humanitäre Hilfsleistungen

Neun Jahre gewaltsamer Konflikt haben das syrische Gesundheitssystem landesweit zerstört. Vor allem ein COVID-19-Ausbruch im Nordwesten und Nordosten des Landes hätte verheerende Folgen. In Idlib wurden seit Dezember 2019 fast eine Million Menschen vertrieben. Viele leben in verwahrlosten, überfüllten Notunterkünften, in denen die sanitären Verhältnisse katastrophal und die Vermeidung physischer Kontakte unmöglich sind.

Misty Buswell, Regional Policy and Advocacy Director und IRC-Sprecherin für den Nahen Osten, sagt:

„Die Bedingungen in Idlib prophezeien eine schnelle Ausbreitung der Krankheit. Der Mangel an Nahrung, sauberem Wasser und die dazukommende Kälte haben hunderttausende Menschen bereits enorm geschwächt. Wir haben gesehen, dass sich COVID-19 in Ländern mit stabilen Gesundheitssystemen schon enorm verbreiten konnte. In Idlib wird dies noch viel schlimmer: Im vergangenen Jahr wurden mindesten 85 medizinische Einrichtungen zerstört und die Krankenhäuser, die noch betrieben werden, sind jetzt schon vollkommen ausgelastet.

Bislang wurden nur drei Krankenhäuser in Nordwestsyrien identifiziert, die eine Intensivstation haben und COVID-19-Patient*innen behandeln können. 15 weitere Krankenhäuser sollen nachgerüstet werden. Doch noch ist unklar, über wie viele Betten und welche Ausrüstung sie verfügen werden und ab wann sie Erkrankte betreuen können.“

Die Lage im Nordosten Syriens ist nicht besser: Aufgrund der Schließung des Grenzübergangs zum Irak können die Vereinten Nationen keine medizinischen Hilfsgüter liefern und humanitäre Organisationen sich nur sehr eingeschränkt um Bedürftige kümmern – zum Beispiel in Flüchtlingslagern wie Al Hol, wo fast 70.000 Menschen unter extrem beengten Bedingungen leben müssen.

„Im Nordosten Syriens gibt es insgesamt 16 Krankenhäuser. In dreien davon sollen Corona-Patient*innen behandelt werden, doch nur eins von ihnen ist voll funktionsfähig. Insgesamt stehen damit nur 28 Intensivbetten zur Verfügung, zehn Beatmungsgeräte für Erwachsene und eines für Kinder. Es gibt zwei Ärzt*innen, die im Umgang mit diesen Geräten geschult sind", sagt Buswell. Dazu komme, so die IRC-Sprecherin, dass sichere Arbeitsbedingungen für medizinisches Personal vor Ort aufgrund des weltweiten Mangels an Schutzausrüstung schwer umsetzbar seien.

IRC hat einen Spendenaufruf in Höhe von 30 Millionen US-Dollar (etwa 28 Mio. Euro) gestartet, um besonders schutzbedürftigen Menschen zu helfen. In Syrien wurden Präventivmaßnahmen verstärkt: Geflüchtete wie auch medizinisches Personal wurden über Erkennungsmerkmale und Übertragungswege der Krankheit aufgeklärt, an IRC-Einrichtungen Screening-Maßnahmen verstärkt und Mitarbeiter*innen in psychologischer Erstbetreuung geschult.

IRC arbeitet mit der WHO in einem Health Cluster zusammen. So soll die Reaktionsfähigkeit erhöht und die Gefahr einer unkontrollierten Ausbreitung des Virus für Millionen von Syrer*innen, die schon seit neun Jahren unter Krieg leiden, möglichst verringert werden.