International Rescue Committee (IRC) hat heute den Start von Soforthilfe an der polnisch-belarussischen Grenze verkündet. In Kooperation mit der niederländischen Partnerorganisation Stichting Vluchteling (SV) unterstützt IRC die Aktivitäten lokaler Organisationen in Polen, die bereits unermüdlich Hilfe für Geflüchtete an der Grenze zu Belarus leisten. IRC und SV werden die Menschen vor Ort mit lebenswichtigen Gütern wie Kleidung, Lebensmitteln und Wasser versorgen und ihnen medizinische und psychologische Hilfe zukommen lassen. 

Die Umsiedlung von ca. 2.000 Menschen aus der Sperrzone in Lagerhallen in Belarus und Rückführung von ca. 2.000 Iraker*innen deuten zwar auf eine Deeskalation hin, sind aber nur kleine Verbesserungen in einer entsetzlichen Situation.

Stefan Lehmeier, Stellvertretender Regionaldirektor Europäische Programme bei IRC, sagt: 

„Ich konnte mir vor Ort in Polen selbst ein Bild von der Situation machen: Die humanitäre Lage von Tausenden Geflüchteten an der polnisch-belarussischen Grenze ist weiterhin katastrophal. Die Menschen erleben unsägliche Gewalt, viele haben schwere Verletzungen und fürchten weitere illegale Pushbacks. Wenn die Temperaturen tiefer sinken, werden noch mehr Menschen ihr Leben verlieren.

Wir müssen jetzt bewusst dort ansetzen, wo Hilfe nötig ist, anstatt weiterhin zuzulassen, dass Menschenleben aufs Spiel gesetzt werden. Mit unserem Lokalisierungsansatz stärken wir deshalb die wichtige Arbeit der Organisationen vor Ort durch finanzielle Unterstützung und bringen uns durch Rechtshilfe und Advocacyarbeit gezielt da ein, wo IRC-Expertise gebraucht wird. Seit mehr als sechs Jahren unterstützt IRC Geflüchtete und Migrant*innen innerhalb Europas, seit mehr als achtzig Jahren in der Welt.

Mit Sorge beobachten wir, wie sich Polen und die EU immer weiter abschotten. Die polnische Regierung schränkt den Zugang von Hilfsorganisationen und Journalist*innen zur Grenze zu Belarus weiter ein. Die Menschen werden einfach im Stich gelassen. Die geplanten Asylrechtsverschärfungen, die die Europäische Kommission gestern vorstellte, werden das humanitäre Leid der Menschen weiter verschärfen. Die Kommission sollte sicherstellen, dass die Mitgliedsstaaten die EU-Gesetze einhalten, statt das Asylrechtssystem noch weiter auszuhöhlen.“ 

Tineke Ceelen, Direktorin von Stichting Vluchteling, sagt:

„Als europäische Nichtregierungsorganisationen fühlen wir uns verpflichtet, unsere Verantwortung mit einem Nothilfeprogramm wahrzunehmen. Es ist nicht allein eine politische, sondern auch eine humanitäre Krise. Menschenrechtsverletzungen in großem Ausmaß und Pushbacks scheinen an der Tagesordnung zu sein. Wir fordern die europäischen Politiker*innen auf, selbst Verantwortung zu übernehmen und uns und andere humanitäre Organisationen sowie unabhängige Journalist*innen in das Grenzgebiet zu Belarus zu lassen.”

Stefan Lehmeier, Stellvertretender Regionaldirektor für Europäische Programme bei IRC, steht weiterhin für Interviews und O-Töne auf Deutsch und/oder Englisch zur Verfügung.

Um unseren Hilfseinsatz in Polen zu unterstützen, können Sie hier spenden.