• Vergewaltigung wird im Rahmen des Konflikts als Kriegswaffe eingesetzt
  • Sexuelle Ausbeutung im Konfliktkontext nachgewiesen
  • Gewalt in Partnerschaften hat seit Beginn des Konflikts zugenommen

Sechs Monate nach Beginn des Konflikts in Tigray in Äthiopien zeigt eine neue Analyse von International Rescue Committee (IRC), dass Missbrauch und Ausbeutung von Frauen und Mädchen weit verbreitet sind und strafrechtlich nicht verfolgt werden.

Victor Odero, Policy & Advocacy Advisor IRC, sagt:

„Die Analyse zeigt den weit verbreiteten Missbrauch sowie Massenvergewaltigungen. Frauen müssen sich auf sexuell ausbeuterische Beziehungen einlassen, um zu überleben und ihre Kinder zu ernähren. Da es weder eine Möglichkeit gibt, Missbrauch zu melden noch Schutz zu suchen, und die Wirtschaft immer instabiler wird, nimmt die Gewalt gegen Frauen zu. 

Im gesamten Konflikt wird Vergewaltigung als Kriegswaffe eingesetzt. Augenzeug*innen berichten von Massenvergewaltigungen. Frauen, die Opfer von Vergewaltigung wurden, benötigen medizinische Hilfe, einschließlich Verhütungsmitteln und Medikamenten zur HIV-Prävention sowie psychologische Unterstützung. Da 71 Prozent der Krankenhäuser in der Region beschädigt sind oder geplündert wurden, ist die medizinische Versorgung schlecht.

Um der geschlechtsspezifischen Gewalt in Tigray zu begegnen und lebensrettende Maßnahmen zu finanzieren, versucht IRC, Frauen in die Unterstützungsprogramme einzubeziehen. IRC fordert die internationale Gemeinschaft und Geldgeber*innen dazu auf, die Unterstützung als besonders dringlich, lebensrettend und essentiell anzuerkennen.“

Einbindung von Frauen in G7-Beirat und Stärkung lokaler Initiativen

Der bevorstehende G7-Gipfel bietet die Chance, den Einsatz für Geschlechtergerechtigkeit im humanitären Bereich zu reformieren. Frauen, die am meisten von Krisen betroffen sind, sind auch am widerstandsfähigsten und können am effektivsten Veränderungen bewirken. Die Einbindung von weiblichen Führungsfiguren mit Fluchthintergrund in den „Gender Equality Advisory Council“ der G7 stellt sicher, dass ihre Perspektiven berücksichtigt werden.

Daneben sind lokale Frauenrechtsorganisationen in der Lage, tagtäglich Frauen und Mädchen vor Ort zu erreichen und zu stärken. Um dauerhafte Veränderungen zu bewirken, müssen Regierungen die Zusammenarbeit mit lokalen Frauenrechtsorganisationen drastisch ausbauen. Mindestens 25 Prozent ihres Budgets für Entwicklungszusammenarbeit sollte lokalen Organisationen zugutekommen. Mehr noch: Alle Konfliktparteien müssen sich zur Einhaltung des humanitären Völkerrechts verpflichten, einschließlich des Schutzes von gefährdeten Gruppen wie Frauen und Mädchen.

Hintergrund

Anfang November 2020 führten militärische Auseinandersetzungen zwischen föderalen und Regionalkräften in der äthiopischen Region Tigray, die sowohl an den Sudan als auch an Eritrea grenzt, zu einem von der Regierung verhängten Ausnahmezustand in der Region. Seitdem ist die äthiopische Region Tigray von bewaffneten Konflikten betroffen. Seit Anfang November werden Menschen innerhalb der Region vertrieben, fast 70.000 Menschen sind in den Ostsudan geflohen.

IRC unterstützt in Tigray in zwei Lagern Geflüchtete sowie zehntausende vom Konflikt betroffene Personen in der Region, unter anderem durch die Bereitstellung von sauberem Wasser und sanitärer Einrichtungen, durch medizinische Grundversorgung sowie durch den Zugang zu Schutz- und Bildungsprogrammen.