• Das Einkommen der Befragten ist seit Beginn der Pandemie um ein Drittel gesunken.
  • Mehr als zwei Drittel berichten von Preissteigerungen, vor allem für Lebensmittel. Die meisten von ihnen können ihren Grundbedarf nicht mehr decken.
  • Über die Hälfte der Befragten gaben an, dass sie sich derzeit am meisten über die gestiegenen Lebensmittelpreise sorgen.

Die Coronavirus-Pandemie verschärft die Hunger- und Wirtschaftskrise in Jemen. Aufgrund enormer Preissteigerung leiden immer mehr Menschen unter Hunger. Im Norden des Landes hat sich die Menge der verfügbaren Nahrungsmittel seit April halbiert. Bei ausbleibender finanzieller Unterstützung haben mehr als fünf Millionen Menschen im Land ab November keinen Zugang zu ausreichend Nahrung. 

Anlässlich der UN-Sicherheitsratssitzung zu Jemen am heutigen Dienstag ruft IRC die Mitglieder auf, einen sofortigen landesweiten Waffenstillstand einzufordern. Die am Konflikt beteiligten Akteure müssen sich an den Verhandlungstisch setzen, die Mittel für humanitärer Hilfe aufstocken und sicherstellen, dass jegliche Unterstützung ausnahmslos landesweit den schutzbedürftigsten Menschen zukommen kann. 

Tamuna Sabadzde, IRC-Landesdirektorin für Jemen, erklärt: 

Der Alptraum der jemenitischen Bevölkerung wird von Tag zu Tag schlimmer. Die nächsten drei Monate sind kritisch für das Überleben von Millionen von Menschen. Noch können wir Leben retten, wenn die Gewalt abnimmt und die Spenden und weitere Unterstützung in Jemen bei den Menschen ankommen kann. Aber wir müssen jetzt handeln. Es gibt keinen dringenderen Grund als diesen: Die Internationale Gemeinschaft muss etwas tun.

Jemen erlebt eine dreifache Krise. Corona-Tests werden nicht durchgeführt, die Finanzierung humanitärer Hilfe wurde stark reduziert, die Gewalt und Luftangriffe im Land dauern weiterhin an. Unsere jüngste Umfrage zeigt, welch katastrophalen Einfluss die Coronavirus-Pandemie auf die Wirtschaft des Landes und damit das Leben der zurzeit schutzbedürftigsten Menschen der Welt hat: Ihre größte Sorge ist nicht etwa eine Ansteckung mit COVID-19, sondern Hunger und der Verlust ihres Zuhauses. Das zeigt, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie schlimmer sein können als die Krankheit selbst.

Um ihre Familien zu versorgen, nehmen die Menschen Kredite auf, die sie nie zurückzahlen können. Sie essen weniger, verkaufen ihr Hab und Gut und müssen teilweise sogar ihre Kinder zum Betteln oder Arbeiten schicken. Wenn dieser Krieg nicht sofort aufhört, leiden die Menschen in Jemen weiter. Dieser Krieg ist ein Schandfleck für die internationale Gemeinschaft. Er muss beendet werden, um eine weitere Katastrophe zu verhindern. Die Menschen in Jemen wollen Frieden. Sie wollen ihre Kinder zur Schule schicken, damit diese ein besseres Leben haben - ohne Krieg, Gewalt und Krankheit.

Es liegt in der Hand des UN-Sicherheitsrats, diesen Krieg zu beenden. Vor allem die USA, Großbritannien und Frankreich müssen helfen, das unvorstellbare Leid zu stoppen und die militärische und geheimdienstliche Unterstützung für die Akteure in diesem unmoralischen Konflikt endlich beenden.

 Wie hilft IRC?

IRC engagiert sich seit 2012 in Jemen. Die andauernde Gewalt, die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie sowie der beschränkte Zugang zu See- und Flughäfen erschweren den Einsatz erheblich. Trotzdem ist es IRC möglich, nach wie vor die besonders schutzbedürftigen Menschen in Jemen zu erreichen und ihnen lebensrettende medizinische Versorgung, wirtschaftliche Unterstützung, Programme zu Schutz und Teilhabe für Frauen und Mädchen sowie Aus- und Weiterbildung zur Verfügung zu stellen.