• Drei von fünf der Befragten gaben an, sich keine Grundnahrungsmittel leisten zu können.
  • Einige Familien berichteten, dass sie ihre Kinder zur Arbeit schicken oder verheiraten müssen, um sie zu versorgen.
  • 66 Prozent gaben an, dass sie die Anzahl der Mahlzeiten in ihrem Haushalt reduziert haben.
  • 74 Prozent ernähren sich nun von weniger beliebten oder erschwinglicheren Lebensmitteln.
  • 71 Prozent gaben an, dass sie zur Versorgung ihrer Familie Freund*innen und Verwandte um Hilfe bitten mussten.
  • 57 Prozent gaben an, dass die Erwachsenen in der Familie weniger essen, um genug Nahrungsmittel für die Kinder zu haben. 

Die Preise für wichtige Grundnahrungsmittel im Land haben sich mehr als verdoppelt. Zwischen Februar 2016 und Oktober 2020 stiegen die Preise für Weizenmehl um 133 Prozent, für Pflanzenöl um 96 Prozent und Reis um 164 Prozent. Der extreme Anstieg der Lebensmittelpreise ist auch auf die wirtschaftliche Kriegsführung aller Kriegsparteien zurückzuführen: Luft- und Seeblockaden sowie bürokratische Hürden behindern den Import und die Distribution von Lebensmitteln, Treibstoff und Medikamenten. Die Produktions-, Lagerungs- und Verteilungsstätten für Lebensmittel werden gezielt angegriffen. Währungsmanipulation und -abwertung haben zu einem Verfall der Kaufkraft geführt. 

In einer Befragung der Hilfsorganisation REACH, an der auch IRC mitgewirkt hat, berichten fast ein Drittel der Lebensmittelhändler*innen von Unterbrechungen der Lieferketten zu mehr als 89 Prozent. 70 Prozent gaben an, dass beschädigte Straßen und Stromleitungen ihre Geschäfte einschränken würden.  

Die Auswirkungen auf die jemenitische Zivilbevölkerung sind fatal: Derzeit leidet über die Hälfte der 24 Millionen Jemenit*innen Hunger. Mit 2,25 Millionen ist die Anzahl akut unterernährter Kinder unter fünf Jahren ist so hoch wie nie zuvor. Von den insgesamt 20,7 Millionen notleidenden Menschen im Land befinden sich nach Experteneinschätzung 3,3 Millionen Menschen in einer „katastrophalen Notlage“. Die betroffenen Menschen haben einen völligen Zusammenbruch ihres Lebensstandards und eine alarmierend hohe Zahl von Todesfällen zu beklagen, ihre letzten Ressourcen zur Bewältigung der Lage sind aufgebraucht. 

Tamuna Sabadze, IRC-Landesdirektorin für Jemen, sagt dazu: 

„Die Situation für die jemenitische Zivilbevölkerung ist katastrophal. Die Lebensmittelpreise steigen und die Löhne stagnieren, während der Konflikt den Menschen die Lebensgrundlage raubt und seit Beginn der COVID-19-Pandemie auch Überweisungen aus dem Ausland zurückgegangen sind. Wir können mit der Aufstockung humanitärer Hilfe nicht warten, bis eine weit verbreitete Hungersnot im Land ausgerufen wird, dann ist es bereits zu spät.“

David Miliband, CEO und Präsident von IRC, erklärt:

„Sechs Jahre nach Beginn des Kriegs spielt sich in Jemen die schlimmste humanitäre Katastrophe der Welt ab. Jetzt braucht es sowohl eine Aufstockung humanitärer Hilfe, um eine Hungersnot zu verhindern und Leben zu retten, als auch diplomatische Initiativen, die den Krieg im Land beenden. Die Staats- und Regierungschefs der Welt müssen die Bemühungen des UN-Sondergesandten um einen landesweiten Waffenstillstand mit vollem Einsatz unterstützen, damit die Zivilbevölkerung geschützt wird, humanitäre Hilfe ins Land kommen und ein nachhaltiger und dringend notwendiger politischer Prozess beginnen kann.“ 

IRC in Jemen 

IRC ist seit 2012 im Jemen tätig und hat seine Programmarbeit seit 2015 ausgeweitet, um der durch den Konflikt verschärften humanitären Krise zu begegnen. Der anhaltende Konflikt und die Schließung von Luft- und Seehäfen stellen die IRC-Mitarbeiter*innen vor große Herausforderungen. Der Zugang zur Zivilbevölkerung in den Einsatzgebieten konnte bislang jedoch aufrechterhalten werden. Dort unterstützt IRC die jemenitische Bevölkerung unter anderem im Kampf gegen Unterernährung, bei der Gesundheits-, Wasser- und Sanitärversorgung, mit Bargeldhilfen und Bildungsprogrammen.