• Lage in Griechenland hat sich verschärft
  • EU-Staats- und Regierungschefs müssen Solidarität zeigen
  • Chance für EU-Asylpakt: Menschen müssen im Mittelpunkt stehen

Nach der Entscheidung der Türkei, ihre Grenze zu Griechenland zu öffnen, hat sich die Lage vor Ort weiter verschärft. Während tausende Menschen inzwischen an der Landgrenze Griechenlands angekommen sind, kam es auf den griechischen Inseln Lesbos, Samos und Chios zu gewaltsamen Übergriffen gegen Asylsuchende und Helfer.

Imogen Sudbery, IRC-Director for Policy & Advocay, sagte:

"Seit fast fünf Jahren muss Griechenland zahlreiche Flüchtlinge auf den Inseln versorgen. Die Aufnahmezentren sind inzwischen sechsmal so groß wie eigentlich vorgesehen: 40.000 Menschen leben auf einem Gebiet, das für nur 6.000 vorgesehen ist. Griechenland kann nicht mehr leisten. Es ist dringend geboten, dass die europäischen Staats- und Regierungschefs nun Solidarität zeigen.

Menschen, die in Regionen leben, in denen – wie in Syrien und Afghanistan – Krieg und Gewalt herrschen, werden oftmals gezwungen, aus Angst um ihr Leben aus ihrer Heimat zu fliehen. Es ist beschämend, dass diese Menschen auch in Europa bedroht werden. Eine wohlhabende und stabile Region wie diese, sollte Menschen, die Schutz suchen, auf faire und würdige Weise aufnehmen. Die EU-Mitgliedstaaten müssen deshalb eine Lösung finden. Es kann dabei nicht nur um Grenzschutz gehen. Stattdessen müssen sich die Justiz- und Innenminister bei ihrem Treffen in dieser Woche darauf einigen, die derzeit auf den griechischen Inseln festsitzenden Menschen unverzüglich in sichere EU-Länder umzusiedeln.

Jetzt wird mehr denn je die Kurzsichtigkeit Europas deutlich: Der EU-Türkei-Deal ließ Griechenland allein. Menschen, die in Gefahr sind, werden weiterhin aus ihrer Heimat fliehen und versuchen, nach Europa und in Sicherheit zu gelangen. Es braucht legale und damit sichere Wege, um hierher zu kommen. Vor allem besonders gefährdeten Geflüchteten muss schnell und unkompliziert geholfen werden – zum Beispiel in dem die EU sich verpflichtet, in den kommenden fünf Jahren 250.000 Menschen aufzunehmen. Die jetzige Krise ist deshalb auch eine Chance für den neuen EU-Asylpakt: nicht nur die Grenzsicherung, sondern vor allem die Menschen müssen dabei im Mittelpunkt stehen."