Erklärung des Präsidenten und CEO von IRC, David Miliband, auf Twitter am 30. April 2019

  • Venezuela steht vor weiteren Konflikten. Deshalb müssen die humanitären Bedürfnisse der Menschen in den Vordergrund gestellt werden. Die Venezolaner*innen haben bereits Jahre der Not ohne ausreichenden Zugang zu Nahrung, Medikamenten und Grundversorgung durchgemacht.
  • IRC in Kolumbien verzeichnet eine steigende Anzahl an Venezolaner*innen, die die Grenze überschreiten.
  • Seit Anfang 2018 unterstützt IRC Venezolaner*innen, die Sicherheit in Kolumbien suchen. Die Organisation beobachtet die Entwicklung der Situation und wird ihre Arbeit bei Bedarf intensivieren.
Länderdaten
  • Bevölkerung: 28,9 Millionen
  • Vertriebene: 4 Millionen
  • Position im Index der menschlichen Entwicklung: 78 von 189
IRC vor Ort
  • Beginn der Unterstützung von lokalen Partnerorganisationen: 2018

Überblick

Seit 2015 haben vier Millionen Venezolaner*innen das Land wegen wachsender Unsicherheit, Instabilität und Gewalt verlassen. Innerhalb des Landes sind Lebensmittel, Medikamente und andere Güter für Millionen von Menschen immer schwerer zu bekommen oder überhaupt nicht mehr erhältlich. IRC leistet Nothilfe für bedürftigen Venezolaner*innen in ihrem Land und im benachbarten Kolumbien.

Wie ist die aktuelle Krise in Venezuela entstanden?

Seit dem Tod des ehemaligen Präsidenten Chavez und der Machtübernahme durch seinen Nachfolger Maduro hat sich in Venezuela eine schwere Wirtschafts- und Versorgungskrise entwickelt, die immer wieder von Gewalt begleitet wird. Die politische Lage verschlechtert seit Jahren. Viele Venezolaner*innen erkennen Maduro nicht mehr als Präsidenten an, sondern den Präsidenten der Nationalversammlung, Juan Guaidó. Die internationale Staatengemeinschaft ist in dieser Frage gespalten.

Aufgrund einer Hyperinflation können sich viele Menschen Nahrungmittel, Miete, Transport und Medikamente nicht mehr leisten. Das Angebot an Gesundheitsdienstleistungen ist eingeschränkt, da die Krankenhäuser kaum qualifiziertes Personal finden und nicht genügend Nachschub an Medikamenten und anderen medizinischen Gütern haben. Dies geht soweit, dass Patient*innen gebeten werden, eigene sterile Handschuhe mitzubringen, wenn sie behandelt werden wollen.

Bereits vor der Krise hatte Venezuela eine extrem hohe Rate an Gewaltverbrechen. Durch die verheerenden Auswirkungen der Hyperinflation hat sich die Lage verschlimmert. Als Folge von Armut, Hunger, Krankheiten, Vertreibung und Trennung von Familien verlassen täglich tausende Menschen ihre Heimat.

Was sind die größten humanitären Herausforderungen in Venezuela?

Die meisten Venezolaner*innen sind arm und tragen ein großes Risiko, von gewalttätigen Gruppen ausgebeutet zu werden. Frauen und Kinder sind besonders gefährdet, Opfer von Menschenhandel zu werden oder für ihr Überleben auf negative Bewältigungsstrategien wie Kinderarbeit zurückgreifen zu müssen.

Familien werden auseinandergerissen, da Eltern auf der Suche nach Arbeit das Land verlassen, um Geld nach Hause zu schicken. Die zurückgelassenen Kinder bleiben oft bei Geschwistern im Teenageralter oder älteren Verwandten, die selbst unter schwersten Bedingungen leben. Das erhöht die Gefahr von Vernachlässigung und Missbrauch. Viele Menschen sind unterernährt. Junge Menschen, die auf der Suche nach Essen durch die Straßen ziehen, gehören heute zum alltäglichen Bild in Venezuelas Städten.

Das Gesundheitssystem ist zusammengebrochen, chronische Erkrankungen werden nicht behandelt und der Ausbruch vermeidbarer Krankheiten wie Masern nimmt zu.

Wie hilft IRC in Venezuela?

IRC hilft Menschen, deren Leben und Lebensgrundlagen durch die Wirtschafts- und Versorgungskrise in Venezuela zerstört wurden, zu überleben und wieder Kontrolle über ihre Zukunft zu erlangen.

Im Jahr 2018 begann IRC mit der Unterstützung venezolanischer Partnerorganisationen und ermöglicht so Nothilfe für die betroffene Bevölkerung. Zu den Maßnahmen gehören die Lieferung grundlegender Medikamente sowie Telemedizindienste, um den Mangel an Fachpersonal auszugleichen. Mütter erhalten außerdem Entbindungspakete, die sie zur Geburt ins Krankenhaus mitbringen können.

In Kolumbien, wohin täglich tausende Menschen aus Venezuela fliehen, konzentriert sich IRC auf den Schutz von Kindern und Jugendlichen, den Schutz und die Stärkung von Frauen, den Zugang zur Gesundheitsversorgung und die Unterstützung der wirtschaftlichen Unabhängigkeit der Vertriebenen.

Welche weiteren Maßnahmen plant IRC in Venezuela?

Die Situation von Millionen Venezolaner*innen wird sich absehbar weiter verschlechtern. Die Unterstützung der Partner von IRC ist deshalb wichtiger denn je.

IRC verpflichtet sich, die Bedürfnisse der am stärksten von der Krise betroffenen Menschen in den Mittelpunkt der Hilfsprogramme zu stellen, mit einem Schwerpunkt auf der Unterstützung von Frauen und Mädchen. Die betreuten Menschen sollen spür- und messbare Verbesserungen in ihrem Leben erfahren.