Drei Kinder sind unter den Toten der Militäroffensive im Nordosten Syriens.

  • Drei Kinder befinden sich unter den 42 Menschen,die sie seit Beginn der Militäroffensive am 9. Oktober im Nordosten Syriens getötet wurden.
  • Schätzungsweise 200.000 Menschen wurden aufgrund der laufenden Militäroperation aus ihren Häusern vertrieben, darunter mindestens 70.000 Kinder.
  • Das IRC musste die Arbeit in allen Gesundheitseinrichtungen im Nordosten aufgrund der Kampfhandlungen und der Unsicherheit einstellen.
Lesen Sie die Syrien-Strategie von IRC
Länderdaten
  • Bevölkerung: 16,9 Millionen
  • Intern und extern Vertriebene: 11,9 Millionen
  • Position im Index der menschlichen Entwicklung: 155 von 189
IRC vor Ort
  • Beginn der Aktivitäten: 2012
  • Versorgte Menschen: 995.000 (2018)

Überblick

Durch den Bürgerkrieg in Syrien benötigen 12 Millionen Menschen Unterstützung. Fünf Millionen von ihnen sind besonders dringend auf Hilfe angewiesen. Die Vereinten Nationen schätzen, dass seit 2011 über 400.000 Menschen getötet wurden, andere Quellen gehen sogar von mehr als 500.000 Todesopfern aus. Die überwiegende Mehrheit der syrischen Bevölkerung lebt in Armut, viele sind aus ihren Häusern vertrieben oder leben unter prekären Bedingungen in ihren zerstörten Gemeinden. Koordiniert von Teams aus dem Irak und Jordanien bietet IRC Notfallhilfe und langfristige Unterstützung für die Betroffenen.

Wie ist die aktuelle Krise in Syrien entstanden?

2011 brach nach Aufständen ein blutiger Bürgerkrieg aus, der bis heute andauert und zu einer der größten humanitären Krisen des 21. Jahrhunderts geführt hat.

Die syrische Zivilbevölkerung wird zwischen den unterschiedlichen Konfliktparteien und deren Kämpfen zerrieben. Öffentliche Dienstleistungen wie Gesundheitsversorgung, Bildungssystem, Energieversorgung oder Bankenwesen sind schwer beeinträchtigt oder fehlen. Die Gefahr ausufernder Gewalt ist allgegenwärtig.

Ein Großteil der Bevölkerung wurde vertrieben. Allein im Jahr 2018 mussten täglich über 4.000 Menschen vor den Kämpfen aus ihren Häuser fliehen. Millionen Syrer*innen sind in die Nachbarländer geflohen. Als die Kämpfe besonders intensiv waren, riskierten viele Menschen ihr Leben erneut, um in Europa Sicherheit und Frieden zu finden.

Was sind die größten humanitären Herausforderungen in Syrien?

Unzählige Häuser, Schulen, Krankenhäuser und lebenswichtige Infrastrukturen und Versorgungssysteme (Wasser, Sanitärbereich, Strom) wurden durch den Krieg zerstört. Dazu gehören Einrichtungen, die IRC unterstützt hat.

6,2 Millionen Menschen sind innerhalb Syriens vertrieben. 11,7 Millionen sind auf Soforthilfe angewiesen. 10,2 Millionen Syrer*innen leben in Gebieten, in denen gekämpft wird oder in denen gekämpft wurde. Frauen und Kinder sind besonders gefährdet. Durch den Konflikt sind sie Sicherheitsrisiken ausgesetzt wie sexuelle Gewalt, (frühe) Zwangsheirat, Kinderarbeit sowie körperliche und geistige Traumata.

Wie hilft IRC in Syrien?

Seit dem Jahr 2012 leistet IRC in Syrien Nothilfe und langfristige Unterstützung. Allein im Jahr 2018 half die Organisation einer Million Menschen im Land. Ein Großteil von ihnen erhielt medizinische Versorgung in Gesundheitszentren oder durch mobile Teams. Außerdem hat IRC 22.000 Frauen und Mädchen betreut, von denen viele Überlebende von Übergriffen und Missbrauch waren. 30.000 Syrer*innen erhielten wichtige Informationen und Hilfe bei der Ausstellung von Dokumenten mit denen sie Dienstleistungen in Anspruch nehmen und sich frei bewegen können. Im gleichen Jahr erhielten 500.000 Menschen neben Aus- und Fortbildungsangeboten auch Bargeldzuwendungen und Gutscheine, um für sich und ihre Familien Lebensmittel und andere wichtige Güter kaufen zu können.

Die Syrien-Programme von IRC werden von mobilen Teams aus dem Irak und Jordanien durchgeführt. Die Arbeit dieser Teams ist genau auf Bedürfnisse der versorgten Gemeinschaften zugeschnitten.

IRC unterstützt die Menschen in Syrien unter anderem durch:

  • Zusammenarbeit mit lokalen und Diaspora-Gruppen, um den Nachschub von Medikamenten, Hilfsgütern und Ausrüstung zu gewährleisten;
  • Soforthilfe in Form von Bargeld, so dass vertriebene Familien ihren unmittelbaren Bedarf decken können;
  • Gesundheitszentren und mobile Teams, die lebensrettende Dienste zur Bewältigung von Traumata anbieten und Primär- und Reproduktionsversorgung, Dialyse sowie lebenswichtige Medikamente zur Verfügung stellen;
  • Integration von Maßnahmen zur psychischen Gesundheit in die Grundversorgung;
  • Lernmöglichkeiten, Beratung und Schutz für Tausende von Kindern in Lagern und Gemeinden;
  • Sichere Räume für Frauen und Mädchen, die Dienste für Überlebende von Gewalt sowie Beratung und Berufsqualifizierungen anbieten;
  • Unterstützung frühkindlicher Entwicklung, um die schädlichen Auswirkungen von Stress und Traumata zu mildern;
  • Förderung der wirtschaftlichen Stabilität der Haushalte durch Aus- und Fortbildungsangebote und die Unterstützung kleiner Unternehmen.

Nordwestsyrien

Fast die Hälfte der Bevölkerung Idlibs wurde durch den Krieg vertrieben. IRC hilft den schutzbedürftigsten Menschen durch medizinische Grundversorgung und Bargeldzuwendungen. In sicheren Räumen können Kinder spielen und lernen und erhalten psychosoziale Unterstützung. IRC hat außerdem 20.000 Kindern Rucksäcke voller Lern- und Spielmaterialien ausgeteilt, damit sie den Kriegsalltag besser überstehen.

Nordostsyrien

Die Städte Deir ez Zour, Raqqa und Baghuz waren lange in der Hand des IS. Die Kämpfe zur Rückeroberung zwangen Tausende zur Flucht. IRC unterstützt die Betroffenen mit Nahrungsmitteln, Gesundheitsversorgung und anderen Nothilfemaßnahmen.

IRC ist der größte Hilfsorganisation für medizinische Versorgung im Nordosten Syriens und die einzige internationale Organisation, die in Nordostsyrien in allen medizinischen Einrichtungen auch Dienste zur psychischen Gesundheit sowie emotionale Unterstützung anbietet.

Nördlich von Raqqa City leisten von IRC betriebene mobile medizinische Teams Unterstützung für Menschen, deren Lebensgrundlage durch den Bürgerkrieg zerstört wurde. Außerdem werden Überlebende sexueller Gewalt und Kinder, die von ihren Familien getrennt wurden, identifiziert und betreut.

Welche weiteren Maßnahmen plant IRC in Syrien?

Mehr als die Hälfte aller Syrer*innen wurde bereits innerhalb Syriens vertrieben oder zur Flucht ins Ausland gezwungen. Damit gilt der Konflikt in Syrien heute als größte Vertreibungskrise der Welt.

IRC verpflichtet sich, den am stärksten von der Krise betroffenen Menschen zu helfen. Sie sollen spür- und messbare Verbesserungen in den Bereichen Schutz, Gesundheit und wirtschaftliche Unabhängigkeit erfahren.

IRC wird weiterhin vertriebene Syrer*innen und die Aufnahmegemeinschaften unterstützten und sich dabei besonders auf die Bedürfnisse von Frauen und Kindern konzentrieren. Die Programme der Organisation sollen auch die Menschen in den gefährlichsten und entlegensten Gebieten erreichen.

Schutz

Menschen sollten in ihrem Zuhause und ihren Gemeinden geschützt sein und Unterstützung erhalten, wenn sie Leid erleben – das gilt insbesondere für Frauen und Mädchen.  

IRC ist weltweit eine der führenden Hilfsorganisationen im Bereich Schutz und darauf spezialisiert, Sicherheitsrisiken in Flüchtlingslagern sowie ländlichen und städtischen Gemeinschaften aufzuzeigen und zu minimieren. Überlebende von Missbrauch erhalten Zugang zu sicheren Orten oder werden über mobile medizinische Teams versorgt. Diese beobachten und melden gefährliche Situationen und Rechtsverletzungen Zuhause und in den Gemeinden. Durch Krieg und Vertreibungen haben viele Menschen ihre Dokumente verloren. IRC hilft ihnen, neue Papiere zu bekommen. So können die Betroffenen wieder reisen und wichtige Dienstleistungen in Anspruch nehmen. Ein Schwerpunkt liegt auf der Unterstützung von Haushalten, die von Frauen geführt werden.

Bildung

IRC bildet Lehrkräfte fort, damit diese Schüler*innen mit Fluchterfahrung besser unterstützen können. Eltern und andere Bezugspersonen werden fortgebildet, ihre Kinder trotz Konflikt und Stress altersgerecht zu erziehen.

Gesundheit

Unter den erschwerten Bedingungen des Bürgerkriegs in Syrien leistet IRC medizinische Grundversorgung.

In Syrien baut die Organisation ihr Netzwerk aus stationären und mobilen Gesundheitsdiensten weiter aus und arbeitet dafür mit lokalen Anbietern zusammen. Die Teams leisten täglich lebensrettende Notfallhilfe, ermöglichen sichere Schwangerschaften und Geburten, behandeln chronische Krankheiten und führen Maßnahmen zur Prävention durch.

Wirtschaftliche Unabhängigkeit

Menschen sollen über die nötigen Mittel verfügen, um ihre Grundbedürfnisse zu decken. Sie sollten selbstständig Geld verdienen und sparen können. Und sie sollten Zugang zu Nahrung, Wasser und Unterkünften finden, ohne sich verschulden zu müssen.