Neue Krise im Sudan

  • IRC beobachtet die derzeitige Situation im Sudan aufmerksam und hofft auf eine friedliche Lösung.
  • Die Lage im Sudan kann weitreichende Auswirkungen auf die gesamte Region haben, insbesondere auf den Südsudan, der wirtschaftlich eng mit dem Sudan verflochten ist.
  • Im Sudan leben rund 850.000 südsudanesische Geflüchtete, während im Südsudan rund 250.000 sudanesische Geflüchtete leben. IRC hat aktuell kein Programm im Sudan, unterstützt aber ca. 900.000 Menschen im Südsudan. In dieser Region ist IRC seit 1989 aktiv.
  • Der langsame Friedensprozess im Südsudan muss geschützt werden. IRC fordert alle Konfliktparteien im Südsudan auf, weiterzumachen und den Friedensprozess und die Übergangsregierung wie vereinbart zu unterstützen. Eine erneute Eskalation der Gewalt wäre für die Bevölkerung des Südsudan unerträglich.
Länderdaten
  • Bevölkerung: 11,1 Millionen
  • Vertriebene: 1,9 Millionen
  • Position im Index der menschlichen Entwicklung: 187 von 189
IRC vor Ort
  • Beginn der Aktivitäten: 1984 (bis 1992); 2018
  • Versorgte Menschen: 800.000 (2018)

Überblick

Südsudan, ehemals Teil des Sudans, ist Heimat eines seit Jahrzehnten andauernden Konflikts. Nach der Unabhängigkeit 2011 folgte eine kurze Friedensphase. Danach brach ein Bürgerkrieg aus. Seitdem gehören Gewalt und Hunger wieder zur Lebensrealität der Menschen im Südsudan. IRC leistet humanitäre und langfristige Hilfe für diejenigen, die trotz Krieg und Hungerkrise versuchen, ihre Leben wieder aufzubauen und Frieden zu schaffen.

Wie ist die aktuelle Krise in Südsudan entstanden?

Nach Jahrzehnten des Bürgerkriegs spaltete sich Südsudan 2011 vom Sudan ab. Danach erlebte das junge Land zwei Jahre lang einen fragilen Frieden.

2013 führten Streits zwischen Präsident Kir und seinem Stellvertreter Machar zu einem erneuten Bürgerkrieg, der bis heute andauert. Zehntausende Menschen wurden getötet, rund zwei Millionen wurden vertrieben.

Trotz eines im August 2015 unterzeichneten Friedensabkommens steigt die Gewalt im Südsudan. Das Land steht am Rande des wirtschaftlichen Zusammenbruchs und kämpft weiterhin mit einer weit verbreiteten Ernährungsunsicherheit. Von dieser sind rund sieben Millionen betroffen. Mehr als 1,6 Millionen Menschen sind aus dem Land geflohen und haben Afrikas größte Flüchtlingskrise ausgelöst.

Der anhaltende Konflikt bringt die Wirtschaft zum Erliegen und wiederkehrende Dürren verschärfen die Situation. Am 20. Februar 2017 wurde die seit sechs Jahren weltweit erste Hungersnot in Teilen des Südsudans ausgerufen.

Was sind die größten humanitären Herausforderungen im Südsudan?

Die durch Kämpfe und Dürren verursachte Nahrungsmittelknappheit trifft Millionen von Menschen. Die anhaltende Gewalt erschwert die Bemühungen der Hilfsorganisationen, den betroffenen Menschen beim Überleben zu helfen.

Hinzu kommt ein extremer Mangel an Gesundheitsdiensten und medizinischem Fachpersonal. Auf 100.000 Menschen kommt gerade mal eine ärztliche Fachkraft. Die existierenden medizinischen Einrichtungen sind schlecht ausgestattet und unhygienisch. Außerdem haben viele Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und lebensgefährliche Krankheiten sind weit verbreitet.

Von der Krise sind Frauen und Mädchen ganz besonders betroffen. Viele erleben täglich Gewalt, Missbrauch und Ausbeutung. Es fehlt an gynäkologischen Personal, das ihnen bei unerwünschten und komplizierten Schwangerschaften zur Seite stehen könnte.

Wie hilft IRC in Südsudan?

IRC hilft Menschen, deren Leben und Lebensgrundlagen durch die Hungersnot und Konflikte im Südsudan zerstört wurden, zu überleben und wieder Kontrolle über ihre Zukunft zu erlangen.

IRC leistet seit über 20 Jahren humanitäre Hilfe im Südsudan und ist eine der größten Hilfsorganisationen vor Ort. Wegen der andauernden Gewalt mussten die Programme immer wieder eingestellt werden.

Aktuell engagiert sich IRC für die schutzbedürftige Bevölkerung der Bundesstaaten Central Equatoria, Northern Bahr el Ghazal, Unity und Lakes States unter anderem durch:

  • Aufbau der Kapazitäten der staatlichen Gesundheitszentren und Fortbildung des lokalen Gesundheitspersonals in grundlegender und reproduktiver Gesundheitsversorgung,
  • medizinische, psychosoziale und rechtliche Unterstützung für Überlebende sexueller Gewalt,
  • Aufklärung von Gemeindevorständen und Regierungsvertreter*innen in Bezug auf die Wahrung der Menschenrechte auch in Krisenzeiten,
  • Reparatur von Brunnen und Aufbau von Sanitäranlagen, um die Ausbreitung von Krankheiten zu verhindern,
  • Soforthilfe für rückkehrende südsudanesische Geflüchtete sowie Bereitstellung von Arbeits- und Existenzgrundlagen.
Welche weiteren Maßnahmen plant IRC in Südsudan?

Gewalt und Unsicherheit erschweren die Aktivitäten von humanitären Organisationen. IRC fordert die Regierung des Südsudans auf, mit den Vereinten Nationen zusammenzuarbeiten und Hilfsorganisationen den Zugang zu den bedürftigsten Bevölkerungsgruppen zu ermöglichen.

Lesen Sie die Südsudan-Strategie von IRC, um mehr über die geplanten Aktivitäten bis 2020 zu erfahren.