Luftangriff in Tripoli tötet 40 Migrant*innen, Hunderte werden verletzt.

  • Mehr als 40 Menschen wurden bei einem Luftangriff auf eine Haftanstalt getötet, in der über 600 schutzbedürftige Geflüchtete und Migrant*innen lebten.
  • Nach wie vor werden viele Geflüchtete und Migrant*innen auf See gefangen genommen und in ein aktives Kriegsgebiet zurückgeführt. Die Such- und Rettungsaktionen auf See müssen unverzüglich wieder aufgenommen werden, damit die vor Gewalt fliehenden Menschen Sicherheit finden.
Lesen Sie unsere Stellungnahme vom 3. Juli auf Englisch
Länderdaten
  • Bevölkerung: 6,7 Millionen
  • Menschen, die humanitäre Hilfe benötigen: 823.000
  • Position im Index der menschlichen Entwicklung: 108 von 189
IRC vor Ort
  • Beginn der Aktivitäten: 2016

Überblick

Libyen ist politisch instabil, immer wieder kommt es zu Kämpfen zwischen Milizen und die Wirtschaft liegt weitestgehend brach. Das nordafrikanische Land ist ein wichtiger Ausgangspunkt für Migrant*innen, die Sicherheit und neue Lebenschancen in Europa suchen. IRC ermöglicht lebenswichtige Gesundheitsversorgung und Schutz für gefährdete Menschen, die in einem chaotischen und instabilen Land gefangen sind.

Wie ist die aktuelle Krise in Libyen entstanden?

Im Jahr 2011 beendete eine Revolution die 42-jährige Herrschaft von Muammar Gaddafi. Drei Jahre später brach ein Bürgerkrieg aus. Seitdem versinkt das ölreiche, nordafrikanische Land im Chaos. Es herrscht allgemeine Gesetzlosigkeit.  Gewalttätige Milizen kämpfen um die Macht. Die international anerkannte Regierung kontrolliert nur ein sehr begrenztes Gebiet, immer wieder kommt es zu bewaffneten Auseinandersetzungen.

Die Zivilbevölkerung wird zwischen diesen Kräften zerrieben. Öffentliche Dienstleistungen wie Gesundheitsversorgung, Bildungssystem, Energieversorgung, Bankenwesen - sind beeinträchtigt oder fehlen. Die Gefahr ausufernder Gewalt ist allgegenwertig. Trotz der hohen Unsicherheit unternehmen Geflüchtete und Migrant*innen weiterhin die Reise nach oder durch Libyen.

In Libyen befinden sich derzeit rund 270.000 Menschen, die auf der Flucht sind. Einige haben einen legalen Status, andere sind jedoch illegal im Land. Unzählige riskieren ihr Leben, um mit Schleppern nach Europa zu gelangen. Meistens werden sie von der libyschen Küstenwache zurück nach Libyen geholt, wo sie in Haftanstalten festgehalten werden.

Was sind die größten humanitären Herausforderungen in Libyen?

Die meisten Geflüchteten sind zwar mittlerweile zurückgekehrt, doch nach wie vor sind alle Bereiche des Lebens gestört: Gesundheitswesen, öffentliche Einrichtungen, Arbeitsmarkt, Bildungswesen, Finanzdienstleistungen und soziale Sicherheitsnetze. Viele Gesundheitseinrichtungen im ganzen Land sind entweder teilweise oder ganz ausgefallen, da es an Personal, medizinischen Fachkräften, Medikamenten und Sanitätsartikeln mangelt. Mehr als eine Million Menschen haben keinen Zugang zu medizinischer Grundversorgung. Deren Wiederherstellung ist daher eine der obersten Prioritäten.

Die Gruppe der Migrant*innen und Geflüchteten ist ebenfalls stark gefährdet.  Oft haben sie keinen Zugang zu offiziellen Diensten und tragen ein extrem hohes Risiko, ausgebeutet zu werden.

Wie hilft IRC in Libyen

IRC hilft Menschen, deren Leben und Lebensgrundlagen durch Konflikte und Katastrophen zerstört wurden, zu überleben und wieder Kontrolle über ihre Zukunft zu erlangen.

Seit August 2016 leistet IRC in Libyen Nothilfe und stellt reproduktive Gesundheitsdienste zur Verfügung.

IRC ist eine der wenigen internationalen Organisationen, die direkt in Libyen aktiv sind und unterhält drei Büros in Tripolis, Misrata und Sirte.

IRC engagiert sich in Libyen unter anderem durch:

  • lebensnotwendige Gesundheitsversorgung an schwer zugänglichen Orten im Westen Libyens;
  • Bereitstellung lebensrettender Medikamente für primäre Gesundheitszentren;
  • wenn möglich, Transfer dringender medizinischer Fälle an Spezialisten;
  • Renovierung von Gesundheitszentren zur medizinischen Grundversorgung, die während des Bürgerkriegs beschädigt wurden;
  • Einsatz erfahrener Sozialarbeiter*innen, die in Konflikt betroffenen Gemeinden Fall-Management und psychosoziale Unterstützung leisten.
Welche weiteren Maßnahmen plant IRC in Libyen?

IRC plant eine Ausweitung der Programme in den Wirkungsbereichen Gesundheit und Schutz, um noch mehr bedürftige Libyer*innen, Geflüchtete und Migrant*innen zu versorgen.

Es besteht unter anderem ein Bedarf für weitere Einrichtungen zur medizinischen Grundversorgung, den Aufbau von Entwicklungszentren für Gemeinden und für die Unterstützung von Menschen, die in Haftanstalten festgehalten werden.

Der Bedarf an Hilfe ist groß in Libyen – sowohl für die libysche Bevölkerung als auch für Migrant*innen und Geflüchtete. Doch das geringe Engagement von Geldgebern im Vergleich zu anderen Krisen und die komplizierte Sicherheitslage erschweren die Ausweitung der Aktivitäten von IRC enorm.