Länderdaten
  • Bevölkerung: 25,9 Millionen
  • Geflüchtete und vertriebene Menschen: 1,12 Millionen
  • Position im Index der menschlichen Entwicklung: 151 von 189
IRC vor Ort
  • Beginn der Aktivitäten: 2016
  • Versorgte Menschen: Über 400.000

Überblick

Seit 2014 hat Kamerun über 380.000 Geflüchtete aus den krisengeplagten Nachbarländern aufgenommen. 2016 brachen außerdem Kämpfe im Nordwesten des Landes aus, die über 600.000 Menschen zwangen, ihre Heimatorte zu verlassen. IRC hat daraufhin die Aktivitäten verstärkt, um den Schutzbedürftigen noch besser zu helfen.

Wie ist die aktuelle Krise in Kamerun entstanden?

Seit 2014 sind rund 380.000 Menschen vor der nigerianischen Terrororganisation Boko Haram und dem Bürgerkrieg in der Zentralafrikanischen Republik nach Kamerun geflohen.

In den Regionen Northwest und Southwest von Kamerun kommt es seit 2016 zu Kämpfen zwischen separatistischen Milizen und den Verteidigungs- und Sicherheitskräften des Landes.

Auch andere Regionen Kameruns, vor allem die Grenzregionen, werden von regelmäßiger Gewalt heimgesucht, unter anderem durch aus den Nachbarländern einfallende Milizen und Rebellen.

Mehrere Millionen Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen, über 600.000 Menschen gelten als intern vertrieben, hinzu kommen mehr als 380.000 Geflüchtete aus den Nachbarländern.

Was sind die größten humanitären Herausforderungen in Kamerun?

Die von der Krise betroffenen Menschen benötigen umfassende humanitäre Hilfe, wie Nahrung, Unterkunft, Schutz, sauberes Wasser und Gesundheitsversorgung. Die lokalen Gemeinden haben viele der Vertriebenen aufgenommen. Doch meist haben sie selbst nur begrenzte Möglichkeiten, den Neuankömmlingen wirklich zu helfen.

Rund eine Millionen Menschen benötigen Nahrungsmittelhilfe. Vor der Krise lebten 70 Prozent der Bevölkerung im Northwest von der Landwirtschaft. Die grassierende Gewalt zwang viele, ihre Anbauflächen aufzugeben. In der Folge ging die Produktion zurück und die Preise für Grundnahrungsmittel stiegen an.

Auch die Trinkwasserversorgung ist problematisch. Über eine Million Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und grundlegender Sanitärversorgung. In Gegenden, in denen Geflüchtete und Vertriebene leben, sind viele Wasserstellen zerstört und es gibt zu wenige Latrinen. Unter diesen Bedingungen, ergänzt durch eine mangelnde Müllentsorgung, verbreiten sich leicht Krankheiten wie Cholera und Malaria.

Hunderttausende benötigen in den Krisenregionen medizinische Unterstützung. Doch die Gesundheitszentren sind darauf nicht ausgerichtet und verfügen nicht über genug qualifiziertes Personal, medizinische Geräte und Ausrüstungen. Einige Gesundheitszentren mussten wegen der gewalttätigen Bedingungen bereits schließen, was die Versorgungsknappheit weiter verstärkt.

Der Bedarf an Schutzmaßnahmen ist hoch. Die Zivilbevölkerung, vor allem Frauen und Mädchen, erlebt vielfache Menschenrechtsverletzungen, wie willkürliche Verhaftungen, Entführungen und Morde. Viele Menschen sind ohne Ausweisdokumente auf der Flucht. Sie sind dadurch noch anfälliger für Ausbeutung und haben es gleichzeitig schwerer, für ihre Rechte einzutreten.

Für Frauen ist die Gefahr von Ausbeutung und Krankheiten besonders hoch. Vielen fehlen die richtigen Produkte zur Menstruationshygiene, weil sie keine Einkaufsmöglichkeiten oder kein Geld haben oder schlicht, weil sie zu viel Angst haben, einkaufen zu gehen. Außerdem mangelt es an Gesundheits- und Reproduktionsdiensten sowie Fachpersonal für Frauen.

Die große Mehrheit der Kinder und Jugendlichen in den Regionen Northwest und Southwest haben aufgrund der Krise keinen regelmäßigen Zugang zu Schulbildung.

Wie hilft IRC in Kamerun?

IRC hilft Menschen, deren Lebensgrundlagen durch Kriege, Konflikte und Naturkatastrophen zerstört wurden, ihre Leben zu verbessern.

IRC engagiert sich vor allem in den Regionen Extrême-Nord und Southwest, unter anderem durch:

  • die Bereitstellung von sauberem Wasser, die Verbesserung der sanitären Einrichtungen wie Wasserpumpen, Latrinen und Duschen sowie den Bau von Müllgruben in Gemeinden, in denen eine große Zahl an Vertriebenen lebt,
  • die Verteilung von essentiellen Hilfsmitteln wie Wasserbehälter, Kochgeschirr und Decken an vertriebene Familien,
  • die Verteilung von sogenannten Würde-Paketen, die mit Artikeln wie Binden, Seife, Zahnpasta, Zahnbürsten und Unterwäsche Frauen und Mädchen helfen, sich wohler und sicherer zu fühlen und damit einen Beitrag leisten, um die Gewalt gegen Frauen und Mädchen zu reduzieren,
  • die Einrichtung sicherer Räume für Frauen und Mädchen, in denen sie Beratung finden, an Freizeitaktivitäten teilnehmen und andere Dienstleistungen in Anspruch nehmen können,
  • die Unterstützung bei der Beantragung von Ausweispapieren und Weiterleitung an weitere öffentliche Dienste,
  • die Etablierung von Überweisungssystemen für die Überlebenden von sexuellen Übergriffen, damit diese eine sichere und angemessene klinische Versorgung erhalten,
  • die Einbeziehung der Bevölkerung in gemeindebasierte Programme mit dem Ziel, Risiken für Gewalt zu reduzieren sowie auf Menschenrechtsverletzungen einzugehen und diese vorzubeugen,
  • Bereitstellung von Bargeldhilfen in Form von Gutscheinen oder über mobile Dienste für die schutzbedürftigsten Menschen,
  • Ausgabe von Krediten an Unternehmen,
  • sowie Training und berufliche Ausbildung von Jugendlichen, Frauen und Mädchen, die in Krisenregionen leben.
Welche weiteren Maßnahmen plant IRC in Kamerun?

Die anhaltende Gewalt in Kamerun zwingt nach wie vor unzählige Menschen zur Flucht und so ist die Arbeit von IRC vor Ort wichtiger denn je.

IRC verpflichtet sich, die Bedürfnisse der schutzbedürftigsten Bevölkerungsgruppen – Frauen, Kinder und ältere Menschen – in den Mittelpunkt des Engagements zu stellen. Sie sollen messbare Verbesserungen in den Bereichen Schutz und wirtschaftliche Unabhängigkeit erfahren. Der Bedarf ist enorm, mehr humanitäre Hilfe im Land ist dringend notwendig.

IRC plant unter anderem folgende Maßnahmen:

Gesundheit

Die Maßnahmen in Bezug auf den Ausbruch von Cholera müssen verbessert werden. IRC möchte den betroffenen Gemeinschaften helfen, Infektionen zu verhindern und die Kontrolle über die Krankheit zu erlangen. Dazu gehört Aufklärungsarbeit, besserer Zugang zu sauberem Wasser, der Bau von Latrinen und ganz allgemein eine Verbesserung der Hygiene.

Wirtschaftliches Unabhängigkeit

Die durch herrschende Gewalt ausgelöste Unsicherheit und Vertreibung haben viele Menschen ihre Existenzgrundlage gekostet. In der Folge müssen sie häufig auf negative Bewältigungsstrategien zurückgreifen. Sie sind gezwungen ihre letzten Besitztümer zu verkaufen oder gefährliche und ausbeuterische Arbeit anzunehmen.

  • In der Region Extrême-Nord wird IRC die wirtschaftliche Unabhängigkeit junger Menschen durch die Ausweitung von Resilienzprogrammen weiter fördern. Maßnahmen sind unter anderem Kredite für Unternehmen zu vergeben und zusätzliche Ausbildungsperspektiven zu schaffen.
  • IRC wird Frauen durch die Etablierung von Dorfsparkassen und Kreditvereinigungen fördern.
  • Die Bargeld-Programme, mit denen gefährdete Haushalte ihre Grundbedürfnisse decken können, wird IRC weiterführen und diversifizieren.

Schutz

Die Krise in den Regionen Extrême-Nord, Southwest und Nordwest hat Schutzrisiken und geschlechtsspezifische Gewalt erhöht. Frauen und Mädchen sind einem höheren Risiko von Vergewaltigungen sowie sexuellem und körperlichem Missbrauch ausgesetzt.

IRC wird unter anderem:

  • ein umfassendes Überwachungs- und Warnsystem auf Gemeindeebene einrichten, damit Rechtsverletzungen rechtzeitig erkannt und angegangen werden,
  • die psychosoziale Unterstützung für jugendliche Mädchen an den von IRC betriebenen sicheren Orten ausweiten,
  • Aktivitäten einführen, die sich speziell an Männer und Jungen richten, um Verhaltensänderungen zu bewirken,
  • mit den wichtigsten Partnern im Bereich Schutz zusammenarbeiten, um deren Kapazitäten in der Konfliktlösung zu stärken und so einen wichtigen Beitrag zum sozialen Zusammenhalt auf Gemeindeebene und zu mehr Sicherheit zu leisten, und
  • Überlebende von Gewalt beim Zugang zur Justiz unterstützen.

Bildung

Die Region Extrême-Nord hat eine besonders niedrige Einschulungsrate von nur etwa 24 Prozent. Gründe dafür sind die geringen finanziellen Mittel der Eltern, eine schlechte Infrastruktur bei gleichzeitig hoher Unsicherheit und ein Mangel an gut ausgebildeten Lehrkräften.

  • IRC wird Maßnahmen ergreifen, damit Mädchen und Jungen eingeschult werden und an sicheren, funktionierenden und reaktiven Bildungsprogrammen teilnehmen können.
  • IRC wird die Entwicklung der Lese-, Rechen- und sozial-emotionalen Fähigkeiten von Kindern fördern und Jugendlichen Berufsausbildungen ermöglichen.

Laden Sie die Strategie von IRC in Kamerun herunter, um mehr über die geplanten Aktivitäten zu erfahren.