Kampfhandlungen zwingen IRC, die Hilfe in Al Dahle'e auszusetzen.

  • Im Gouvernement Al Dahle'e haben die Kampfhandlungen zuletzt massiv zugenommen. IRC musste deshalb aus Sicherheitsgründen lebensrettende Dienstleistungen aussetzen oder diese verlagern – darunter der Betrieb mobiler Gesundheitszentren, die Behandlung von Cholera, Bildungsangebote und die Unterstützung von Lebensgrundlagen.
  • Die Kämpfe finden entlang einer Hauptverkehrsroute statt. Dies erschwert den landesweiten Transport von lebenswichtigen medizinischen Gütern und Nahrungsmitteln.
  • „Jede Unterbrechung von Hilfsprogrammen kann über Leben und Tod entscheiden, vor allem für die vielen unterernährten Kinder in diesem Gebiet“, erklärt Länderdirektor Frank McManus.
Länderdaten
  • Bevölkerung: 28,5 Millionen
  • Vertriebene: 3,7 Millionen seit März 2015
  • Position im Index der menschlichen Entwicklung: 178 von 189
IRC vor Ort
  • Beginn der Aktivitäten: 2012

Überblick

Jemen liegt an der Südspitze der Arabischen Halbinsel und ist Heimat der größten humanitären Krise der Welt. Die Bevölkerung leidet unter dem Bürgerkrieg, weitverbreiteter Gewalt, Armut, Unterernährung und Cholera. IRC unterstützt die Bevölkerung und leistet Nothilfe.

Wie ist die aktuelle Krise im Jemen entstanden?

Im Jahr 2015 starteten Saudi-Arabien und seine Verbündeten eine militärische Intervention im Jemen. Das Ziel war es, die Rebellen der Houthis zu besiegen und den ehemaligen Präsidenten Abdu Rabbu Mansour Hadi wieder an die Macht zu bringen. Der Krieg im Jemen ist nicht nur ein Bürgerkrieg – er ist ein Stellvertreterkrieg, der eine größere Spaltung der arabischen Welt zeigt. Obwohl die Houthis immer eine Rolle in der jemenitischen Gesellschaft gespielt haben, haben sie zunehmend Unterstützung aus dem Iran erhalten. Raketenangriffe aus den Houthi-kontrollierten Gebieten in das benachbarte Saudi-Arabien sollen auf iranischen Lieferungen beruhen.

Laut den Vereinten Nationen wurden seit Beginn des Krieges knapp 18.000 Menschen getötet oder verletzt und mehr als 3,7 Millionen vertrieben.

Durch den Krieg ist das Versorgungssystem zusammengebrochen und die wichtige Infrastruktur operiert am Limit. Die Kämpfe erschweren den Transport wichtiger Güter.

Jemen war bereits vor dem Krieg das ärmste Land der arabischen Welt. Der Krieg hat die Lage der Bevölkerung in allen Bereichen weiter verschlechtert.

Was sind die größten humanitären Herausforderungen im Jemen?

24 Millionen Menschen, fast 80% der Bevölkerung, sind hilfs- und schutzbedürftig. Davon sind 14,3 Millionen Menschen in akuter Not. Mehr als 20 Millionen Menschen im ganzen Land sind von Hunger bedroht. Die Hälfte von ihnen leidet Hunger. 7.4 Millionen Menschen, fast ein Viertel der Gesamtbevölkerung, sind unterernährt – viele davon akut.

Insgesamt 17,8 Millionen Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Immer wieder kommt es zu Ausbrüchen von Cholera. Die Epidemie im Jemen ist die größte, die es weltweit jemals gab. Die lebensbedrohliche Krankheit trifft ganz besonders diejenigen Menschen, die bereits am meisten geschwächt sind, darunter viele unterernährte Kinder.

Die größte humanitäre Herausforderung ist die politische Natur der Krise im Jemen. Ständig auftretende Hindernisse erschweren die Einsätze von IRC, darunter Beschränkungen für überlebenswichtige Einfuhren, die Schließung wichtiger See- und Flughäfen sowie Einschränkungen des Transports von Personal und humanitären Hilfsgütern in und durch das Land. Anhaltende Kämpfe verhindern, dass Lieferungen von Lebensmitteln und Treibstoff in das Land gelangen. Krankenhäuser haben keinen Dieselkraftstoff, um Generatoren bei Stromausfällen zu betreiben, und Krankenwagen haben keinen Treibstoff mehr. Die Bestände an Antibiotika und kritischen medizinischen Hilfsgütern sind aufgebraucht.

Ohne eine diplomatische Lösung wird es nicht möglich sein, die Kämpfe und somit das Leiden des jemenitischen Volks zu beenden.

Wie hilft IRC im Jemen?

Seit 2012 unterstützt IRC die Menschen im Jemen in den Gouvernements  Abyan, Lahj, Aldale'a, Sana'a. Die Aktivitäten werden immer wieder durch die schlechte Sicherheitslage gestört. IRC engagiert sich unter anderem durch:

  • Gesundheits-, Ernährungs-, Wasser- und Sanitärdienste für mehr als eine Viertelmillion Menschen;
  • Lieferung lebenswichtiger Medikamente und medizinischer Hilfsgüter an Krankenhäuser und Gesundheitszentren;
  • Zahlung der Gehälter von Ärzten und Krankenschwestern;
  • Betreiben mobiler Kliniken, wo es keine anderen Gesundheitseinrichtungen gibt;
  • Schulung des Gesundheitspersonals in der Behandlung von Cholera.

Auf der internationalen Ebene engagiert sich IRC unter anderem mit politischer Kampagnenarbeit durch:

  • Forderung nach einem humanitären Flugdienst im Jemen;
  • Forderung nach einem landesweiten Waffenstillstand;
  • Aufruf an die internationale Gemeinschaft, sich um einen dauerhaften Frieden zu bemühen.