Im Inneren des Flüchtlingslagers in Moria

  • Das Flüchtlingslager Moria ist massiv überbelegt: mehr als drei Mal so viele Menschen leben dort, als es eigentlich Kapazität bietet.
  • Die Asylverfahren sind extrem langsam. Die Menschen leben unter teils menschenunwürdigen Bedingungen in den Lagern.
  • Eine Studie von IRC in einer Klinik auf Lesbos zeigt, dass 30 Prozent der Patient*innen versucht haben, sich umzubringen. 60 Prozent haben darüber nachgedacht.
Länderdaten
  • Bevölkerung: 10,52 Millionen
  • Geflüchtete: 79.500
  • Position im Index der menschlichen Entwicklung: 31 von 189
IRC vor Ort
  • Beginn der Aktivitäten: Juli 2015
  • Versorgte Menschen: Mehr als 30.000

Überblick

In den Jahren 2015 und 2016 flohen Millionen Menschen vor der Gewalt im Nahen Osten sowie in Süd- und Zentralasien nach Europa. Damals wählten viele die Route über Griechenland, in der Hoffnung, endlich Sicherheit zu finden. Auch heute noch warten viele der 80.000 Geflüchteten in Griechenland auf die notwendigen Dokumente, um weiter nach Mittel- oder Nordeuropa zu reisen.  Viele wagen daher den Neuanfang in Griechenland – und IRC unterstützt in verschiedenen Bereichen im Integrationsprozess.

Wie ist die aktuelle Krise in Griechenland entstanden?

Dies ist keine humanitäre, sondern eine politische Krise. Bei ihrer Gründung hat sich die Europäische Union zur Einhaltung von Völkerrecht und Menschenrechten verpflichtet. Diese Verpflichtung leitete die europäische Politik 60 Jahre lang. Doch in den letzten Jahren hat die EU die Freizügigkeit an ihren Innen- und Außengrenzen eingeschränkt und neue restriktive Maßnahmen ergriffen. Menschen, die Sicherheit in Europa suchen, werden an der Einreise gehindert. Dies wird zunehmend zu einer Bedrohung für die Schutzbedürftigsten dieser Welt. Die Uneinigkeit der EU-Mitgliedsstaaten führt dazu, dass keine gerechte Lösung zur Verteilung der Geflüchteten gefunden werden kann. Einige Länder tragen daher weiterhin eine größere Verantwortung für die Geflüchteten – sowohl diejenigen, die bereits im Land sind (wie in Griechenland), als auch diejenigen, die weiterhin über das Mittelmeer nach Europa fliehen. Der Druck auf Randstaaten wie Griechenland ist durch das Dublin-Verfahren gestiegen. Es regelt, dass sich Asylbewerber*innen in dem Land registrieren müssen, in dem sie die EU betreten haben.

Das EU-Türkei-Abkommen vom März 2016 schreibt die konsequente Rückführung von Geflüchteten, die über die Türkei nach Griechenland gelangt sind, in die Türkei vor. Doch dafür müssen zunächst die Asylanträge bearbeitet werden. So sitzen tausende Geflüchtete auf den griechischen Inseln Lesbos, Chios, Kos, Samos und Leros fest. Die Lager sind häufig überfüllt und die Menschen müssen unter teils menschenunwürdigen und gefährlichen Bedingungen oft monatelang auf die Anhörung ihrer Asylverfahren warten.

Zehntausende Geflüchtete leben auf dem griechischen Festland, vor allem in städtischen Gebieten. Die meisten sind durch den Krieg traumatisiert und benötigen psychosoziale Unterstützung, medizinische Hilfe sowie Beratung, wie sie vor Ort einen Job finden können.

Was sind die größten humanitären Herausforderungen in Griechenland?

Griechenland leidet wirtschaftlich noch immer unter der Finanzkrise. Nicht nur Geflüchtete finden kaum Arbeit, auch die lokale Bevölkerung leidet unter einer sehr hohen Jugend- und Gesamtarbeitslosenquote. Ein solides Integrationsprogramm ist erforderlich, das sowohl die griechische Bevölkerung als auch die Neuankömmlinge unterstützt. Humanitäre Maßnahmen müssen mit den lokalen und nationalen Aktivitäten koordiniert werden. Eine besondere Rolle spielen hierbei die Aufnahmegemeinschaften und die jeweiligen Behörden.
Viele Geflüchtete wissen nur wenig über das Asylverfahren und über verfügbare soziale und medizinische Dienste. Frauen tragen ein hohes Risiko, Opfer sexueller Gewalt und von Menschenhandel zu werden. Häufig sind sie allein mit Kindern unterwegs. Kinder sind oft traumatisiert und auf Unterstützung in der Traumabewältigung angewiesen. Viele sind unbegleitet und warten auf eine Zusammenführung mit ihren Familien, die in andere Länder Europas umgesiedelt wurden. Sie sind besonders gefährdet, ausgebeutet zu werden.

Wie hilft IRC in Griechenland?

Wirtschaftliche Unabhängigkeit

Der Zugang zur Arbeitswelt ist der Schlüssel für eine erfolgreiche Integration. IRC unterstützt Geflüchtete bei der Planung ihrer Lebensgrundlagen. Durch die Zusammenarbeit mit lokalen Partnerorganisationen ermöglicht IRC Fort- und Ausbildung sowie Beratung für Geflüchtete und Einheimische. So sind beide Gruppen fit für einen erfolgreichen Start in die Selbstständigkeit oder ein Angestelltenverhältnis.

Schutz und Teilhabe

IRC versorgt Geflüchtete in Griechenland mit zuverlässigen und aktuellen Informationen zu ihren Rechten und dem Asylverfahren, verfügbaren Dienstleistungen, Umsiedlungen und Familienzusammenführungen. Auf der Plattform refugee.info und dem gleichnamigen Facebook-Account veröffentlicht IRC diese Informationen auf Arabisch, Farsi, Französisch und Englisch.
IRC hat in Flüchtlingslagern auf dem griechischen Festland sichere Zonen für unbegleitete und von ihren Familien getrennte Minderjährige eingerichtet. Hier können die Kinder und Jugendlichen bleiben, bis sie wieder mit ihren Familien vereint oder in Unterkünfte und Pflegeeinrichtungen verlegt werden. So müssen sie nicht in Polizeigewahrsam.

IRC arbeitet mit dem griechischen Ministerium für Migrationspolitik sowie lokalen und internationalen humanitären Organisationen zusammen. Das gemeinsame Ziel ist es, die Gewalt gegen Frauen und Mädchen zu bekämpfen und sich für die psychische Gesundheit und die psychosozialen Bedürfnisse der Geflüchteten einzusetzen. Entsprechende Dienste sowie Beratung und Öffentlichkeitsarbeit führt IRC in Athen, Thessaloniki und weiteren Lagern auf dem Festland an. Außerdem setzt sich IRC für die psychischen Bedürfnisse von Asylbewerber*innen in überfüllten Aufnahmezentren auf den Inseln Lesbos und Chios ein.

Gesundheit

In den Lagern in Eleonas bei Athen und Kara Tepe auf Lesbos stellt IRC Trinkwasser, Toiletten, Warmwasserduschen, Waschsalons und Zubehör wie Seife, Shampoo und Zahnpasta zur Verfügung. IRC führt außerdem Schulungen in einfachen Hygienemaßnahmen durch, um die Ausbreitung von Krankheiten zu vermeiden und organisiert Müllsammlung und Recycling.

 

Wirkung

Seit März haben die Teams von IRC auf dem griechischen Festland

17.690

Menschen mit Hilfspaketen versorgt. Darin befinden sich Seife, Zahnpasta und andere Dinge, die ihnen den Aufenthalt in den überfüllten Lagern erleichtern und ihnen helfen, gesund zu bleiben.

Die Gewalt in Syrien nimmt kein Ende und hat bereits mehr als eine Million verzweifelte Menschen dazu getrieben, in Europa Sicherheit und Chancen auf einen Neuanfang zu suchen.

So hilft IRC

1.400

schutzbedürtige Geflüchtete einzeln betreut, darunter Frauen, die Gewalt überlebt haben und Kinder, die unter emotionaler Belastung leiden.

Jedes Jahr leiden Millionen Menschen, vor allem Frauen und Kinder, unter Gewalt und Missbrauch. So können sie sich zu Hause und in ihrer Umgebung nicht sicher fühlen.

So hilft IRC

8

acht sichere Orte geschaffen, die maßgeschneiderte Unterstützungsangebote für schutzbedüfrigte Frauen und Kinder bereitstellen.

Die fünfzehnjährige Shaimah aus Syrien hat einen besonderen Platz gefunden. Hier kann sie sich mit der Hilfe ihrer Lehrer*innen und Freund*innen von den Kriegsleiden erholen.

Shaimahs Geschichte

Rescue-Geschichten

„Die Frage nach dem 'Warum' bleibt. Das Flüchtlingslager Moria soll offensichtlich eine Warnung an diejenigen sein, die noch immer über das Meer reisen: Komm nicht hierher.“
Eine Frau mit Sonnenbrille albert mit einem kleinen Mädchen herum.
Schauspielerin Lena Headey, bekannt als Cersei Lannister aus Game of Thrones, hat mit IRC Flüchtlingslager in Griechenland besucht. Ihre Eindrücke haben sie dazu bewegt haben einen Appell für bessere psychologische Betreuung von Menschen mit Fluchterfahrung zu verfassen.
Lena Headeys Appell lesen
Lena Headey
IRC-Voice