Der Ebola-Virus breitet sich aus

  • In der Provinz Nord-Kivu im Kongo sind mittlerweile mehr als 2.000 Menschen mit Ebola infiziert. Die tägliche Ebola-Ansteckungsrate hat sich mehr als verdreifacht. Viele weitere Fälle werden aufgrund von Unsicherheit und Misstrauen nicht gemeldet.
  • Die internationale Gemeinschaft verliert den Kampf gegen Ebola. Der schnelle Anstieg der Infektionen zeigt, wie wichtig ein kompletter Neustart der internationalen Bemühungen ist.
  • IRC ist weiterhin führend bei der Prävention und Kontrolle von Infektionen in den am stärksten betroffenen Gebieten.
Länderdaten
  • Bevölkerung: 84,1 Millionen
  • Vertriebene: 4 Millionen
  • Position im Index der menschlichen Entwicklung: 176 von 189
IRC vor Ort
  • Beginn der Aktivitäten: 1996
  • Versorgte Menschen: 2,3 Millionen
  • Ziel: 8,4 Millionen

Überblick

In der Demokratische Republik Kongo (DRK) herrschen seit vielen Jahren gewalttätige Konflikte und wirtschaftliche Instabilität. Immer wieder kommt es neben andauernder Gewalt zu heftigen Kämpfen. Aktuell sind über 4 Millionen Menschen innerhalb ihres Heimatlandes vertrieben, Hunderttausende sind in andere Länder geflohen. 12,8 Millionen benötigen humanitäre Hilfe. IRC unterstützt die kongolesische Bevölkerung bei der Deckung ihrer Grundbedürfnisse, stärkt Familien und hilft beim Wiederaufbau von Gemeinschaften.

Wie ist die aktuelle Krise in der DRK entstanden?

Nur wenige Jahre nach der Unabhängigkeit von Belgien ergriff Diktator Seko die Macht und beherrschte die DRK 32 Jahre. Diese Zeit war geprägt von wirtschaftlichem Niedergang und politischen Unruhen. Zwischen 1998 und 2002 gab es einen Bürgerkrieg, der zu extremer Gewalt, massiven Vertreibungen und weit verbreiteten Vergewaltigungen führte. Diesem Konflikt fielen schätzungsweise 5,4 Millionen Menschen zum Opfer. Die meisten davon starben an Krankheiten und Unterernährung.

Im Osten des Kongo ist Gewalt auch heute noch an der Tagesordnung. Immer wieder kommt es auch zu größeren Kämpfen. Zuletzt im Jahr 2017, als der Präsident die Wahlen verzögerte. Anfang 2019 vollzog sich nach verhältnismäßig friedlichen Wahlen ein Machtwechsel. Die DRK wird nun von Sylvestere Ilunga regiert.

Trotz eines Friedensabkommens, leichter wirtschaftlicher Fortschritte und Verbesserungen im Bildungs- und Gesundheitswesen kämpft das Land weiterhin mit immer wiederkehrenden Krisen. Diese gefährden die Lebensgrundlagen von 13,1 Millionen Menschen, rund 15 % der Bevölkerung. In weiten Teilen des Landes ist Gewalt gegen Frauen und Mädchen an der Tagesordnung. Zwischen 2014 und 2016 gab es im Kongo einen Ebola-Ausbruch mit 28.000 infizierten Menschen. Mitte 2018 brach Ebola erneut aus. Ein Jahr später gab es bereits über 2000 Infektionen. Insgesamt sind über 1700 Menschen an der Krankheit gestorben.

Was sind die größten humanitären Herausforderungen in der DRK?

Die Demokratische Republik Kongo ist nach wie vor eines der am wenigsten entwickelten Länder der Welt in Bezug auf Lebenserwartung, Bildung und Lebensstandard. Über 60 Prozent der Bevölkerung leben in Armut und nur sehr wenige Menschen haben ein gutes Auskommen. Fast 70% der Bevölkerung betreiben landwirtschaftliche Selbstversorgung. Vielen fehlen wichtige Ressourcen wie Werkzeuge und Saatgut. Daher können sie nicht für den lokalen Markt produzieren und folglich nicht von ihrer Arbeit leben.

Das Gesundheitssystem ist schlecht ausgestattet und organisiert sowie unterfinanziert und unterversorgt. Cholera und Masern sind weit verbreitet. Nur wenige Menschen sind gegen vermeidbare Krankheiten geimpft. Die Müttersterblichkeit ist extrem hoch und viele Kinder sterben vor ihrem ersten Geburtstag.

Sexuelle Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist auch im Kongo ein großes Problem. Frühe Heirat und Schwangerschaft führen dazu, dass Mädchen die Schule abbrechen. Viele Kinder gehen nie zur Schule oder erhalten nur schlechten Unterricht.

Wie hilft IRC in der DRK?

IRC hilft Menschen, deren Leben und Lebensgrundlagen durch die Konflikte in der Demokratischen Republik Kongo zerstört wurden, zu überleben und wieder Kontrolle über ihre Zukunft zu erlangen.

Seit 1996 leistet IRC humanitäre Hilfe für die von der Krise betroffenen Menschen und unterstützt ihre Gemeinden beim Wiederaufbau und der Entwicklung von Programmen für Bildung und Gesundheitsversorgung.

IRC engagiert sich in der Demokratischen Republik Kongo in den Regionen Tanganyika, Kasai Central sowie Nord- und Süd-Kivu unter anderem durch:

  • Bereitstellung von medizinischer Notfallversorgung, Unterkünften, Wasser, sanitären Einrichtungen und Notfallversorgung für Hunderttausende von Menschen im Osten und in der Mitte des Kongo,
  • Training von Gemeinschaften zur Zusammenarbeit in friedensschaffenden Projekten, die gleichzeitig wirtschaftlichen Fortschritt ermöglichen,
  • Ausbildung von Mitarbeitenden des Gesundheitswesens und der Regierung,
  • Wiederaufbau von Krankenhäusern und Gesundheitszentren und Bereitstellung lebenswichtiger Medizin,
  • Beratung, medizinische Versorgung und Rechtsbeistand für Überlebende von sexuellen Übergriffen,
  • Bereitstellung von Diensten im Bereich der reproduktiven Gesundheit für Frauen und jugendliche Mädchen, um sichere und später aufeinanderfolgende Geburten zu unterstützen,
  • Förderung der Einschulung und des Erfolgs von Mädchen in Bildungseinrichtungen und informellen Lernorten, damit diese ihre Zukunft selbst bestimmen können.
Welche weiteren Maßnahmen plant IRC in der DRK?

Millionen Menschen kämpfen in der DRK um ihr Überleben und darum, trotz der umfassenden Gewalt ein würdiges Leben zu führen. Die Arbeit von IRC ist deshalb wichtiger denn je.

IRC verpflichtet sich, den am stärksten von der Krise betroffenen Menschen zu helfen. Sie sollen spür- und messbare Verbesserungen in den Bereichen Schutz, Gesundheit und wirtschaftliche Unabhängigkeit erfahren. Die Programme konzentrieren sich besonders auf die Bedürfnisse von Frauen und Kindern.

IRC wird die vielen Vertriebenen weiter unterstützen und dort arbeiten, wo die Bedürfnisse am dringendsten sind. Bis Ende 2020 wird IRC gemeinsam mit den Partnerorganisationen 8,4 Millionen Menschen erreichen.

Gesundheit

Menschen sollen vor Krankheiten geschützt und bei Bedarf medizinisch versorgt werden. Das gilt insbesondere für Frauen und Mädchen, die Gewalt erfahren haben.

IRC wird bewährte Mittel der Verhütung und Familienplanung zur Verfügung stellen, um unbeabsichtigte Schwangerschaften zu vermeiden. Fachpersonal wird geschult, um die Mütter- und Kindersterblichkeit zu verringern.

Sicherheit

Menschen sollen in ihren Häusern und Gemeinden sicher sein und Unterstützung erhalten, wenn sie Leid erfahren.

IRC wird Aktivitäten zur Vermeidung von Gewalt in Schulen und Zuhause ausweiten und Überlebenden von Gewalt und Missbrauch mehr soziale und medizinische Dienste zur Verfügung stellen.

Bildung

Schulpflichtige Kinder sollen über altersgerechte Lese- und Rechenkenntnisse sowie über soziale und emotionale Fähigkeiten verfügen.

IRC wird Hindernisse für den Schulbesuch von Kindern abbauen, unter anderem durch den Wiederaufbau von Schulen, Nachhilfe, finanzielle Unterstützung und den Ausbau von Infrastruktur. In Zusammenarbeit mit lokalen Regierungen und den Gemeinden wird IRC besonders schutzbedürftigen Kindern den Schulbesuch ermöglichen und dafür sorgen, dass sie dort auch langfristig bleiben können.

Wirtschaftliche Unabhängigkeit

Menschen sollen über die nötigen Mittel verfügen, um ihre Grundbedürfnisse zu decken. Sie sollten selbstständig Geld verdienen und sparen können.

Um Gemeinschaften langfristig wirtschaftlich zu stärken, wird IRC in die Fortbildung von Unternehmen und Arbeitnehmer*innen und in Projekte zum ökonomischen Wiederaufbau investieren. Die Organisation wird Frauen und Mädchen bei ihrem Kampf für Gleichberechtigung, auch im wirtschaftlichen Sinn, unterstützen.

Auch im Kongo wird IRC seine Hilfsmaßnahmen ständig optimieren, um mehr Menschen noch schneller und effektiver zu erreichen und dabei noch besser auf die Bedürfnisse der Betroffenen zu reagieren.

Lesen Sie die IRC-Strategie für die Demokratischen Republik Kongo, um mehr über die geplanten Aktivitäten bis 2020 zu erfahren.