Fakten

  • Äthiopien ist auf Platz 5 auf der IRC-Rangliste der größten Krisen 2021.
  • IRC ist extrem besorgt über die eskalierenden Spannungen und Feindseligkeiten in der äthiopischen Region Tigray.
  • Nach einem Jahr mit COVID-19-Pandemie und weiteren humanitären Katastrophen sind Geflüchtete, Vertriebene sowie die lokale Bevölkerung besonders schutzbedürftig. Die Anzahl an schutzbedürftigen Menschen in Äthiopien ist die zweithöchste der Welt.
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Länderdaten
  • Bevölkerung: 115 Millionen
  • Geflüchtete und Binnenvertriebene: Fast 792 000
  • Position im Index der menschlichen Entwicklung: 173 von 188
IRC vor Ort
  • Beginn der Arbeit in Äthiopien: 2000

Überblick

Äthiopien, am Horn von Afrika, startet in das Jahr 2021 mit einer massiven Konfrontation zwischen der Regierung und Tigray People´s Liberation Front (TPLF) in der Tigray Region. Gleichzeitig ist die Anzahl von schutzbedürftigen Menschen in Äthiopien durch den Klimawandel, die größte Heuschreckenplage unserer Zeit und die Coronapandemie auf die zweithöchste der Welt gestiegen.
IRC versorgt die Menschen vor Ort mit sauberem Wasser, Sanitäranlagen, wichtigen Lebensmitteln, Schutz für Frauen und Mädchen und anderer Notfallversorgung.

Was hat die Krise in Äthiopien verursacht?

Der Konflikt in der nördlichen Region Tigray findet in einer ohnehin schon schwierigen Zeit statt. Die Coronapandemie hat die Bedarfe der Menschen nochmal erhöht, vor allem in den Regionen, die schon von Konflikten und Naturkatastrophen gezeichnet waren. Ähnliches ist durch den Klimawandel, die politischen Spannungen und die schlimmste Heuschreckenplage unserer Zeit auch in 2021 zu erwarten. Die Menschen in Äthiopien könnten weiterhin unter Nahrungsmittelknappheit leiden.

Was sind die größten humanitären Herausforderungen in Äthiopien? 

Äthiopien ist gleich nach Jemen das Land mit den meisten schutzbedürftigen Menschen im jahr 2021.

Der Konflikt in der Tigray Region führt zu einem massiven Anstieg an humanitären Bedarfen. Menschen fliehen durch den Konflikt in Richtung Sudan und es gibt Anschuldigungen der Gewalt gegen Zivilist*innen. Der Konflikt und die politischen Spannungen in Tigray sorgen auch dafür, dass in anderen Reginen in Äthiopien Unsicherheit und die Gefahr von Konflikten steigt.

Bereits vor dem Konflikt hat die COVID-19-Pandemie die Bevörlkerung zu einer der schutzbedürfigsten der Welt gemacht. Das zeichnet sich vor allem durch die wirtschaftlichen Einschränkungen, Arbeitslosigkeit und die unterbrochene Schulbildung für mehr als 26 Millionen Kinder im Land aus.

Äthiopien ist außerdem im Zentrum der größten Heuschreckenplage unserer Zeit. Mindestens eine Million Menschen leiden unter dem Verlust der Ernte und daraus resultierend werden mehr als elf Millionen Äthiopier*innen an Nahrungsmitteknappheit leiden. 

Zusätzlich zu all diesen Problemen wurden allein in 2020 rund 300 000 Menschen von Überschwemmungen vertrieben. Da der Klimawandel extreme Wetterverhältnisse verursacht, werden Naturkatastrophen vermutlich auch Teil des Jahres 2021 werden. 

Was macht IRC in Äthiopien? 

IRC unterstützt Menschen, deren Leben und Existenzgrundlage durch Konflikte und Katastrophen zerstört wurde und hilft ihnen, zu überleben, sich zu erholen und ihr Leben wieder neuaufzubauen. 

IRC engagiert sich seit dem Jahr 2000 in Äthiopien und leistete über 100.000 Geflüchteten aus Nachbarländern und mehr als 500.000 Äthiopier*innen, die von früheren Dürren betroffen waren, überlebenswichtige Hilfe. Inzwischen unterstützt IRC Geflüchtete, die in Lagern leben, und weitere schutzbedürftige Menschen im ganzen Land. 2013 eröffnete IRC die bisher größte Wasserversorgungsanlage, die in einem Flüchtlingslager je errichtet wurde. 

Etwa 800.000 Geflüchtete und Asylsuchende haben in Äthiopien Zuflucht gefunden. Um sie sowie die Menschen in den aufnehmenden Gemeinden zu unterstützen, leistet IRC Hilfe vor allem in diesen Bereichen:  

  • Aufbau und Aufrechterhaltung sicherer Wasserversorgungssysteme und Sanitäranlagen
  • Aufklärung der Gemeinden über Hygienepraktiken, um die Ausbreitung von Krankheiten zu verhindern
  • Unterstützung von Partnerorganisationen und Mitarbeitenden in Gemeineverwaltungen und Gesundheitskliniken, die Patient*innen bei der Prävention und Behandlung von häufigen Kinderkrankheiten sowie der Familienplanung unterstützen
  • Verteilung von Gütern zur Grundversorgung wie Haushaltsküchensets, Decken, Eimer und Kanister sowie Produkte, mit denen spezifische Bedürfnisse von Frauen und Mädchen gedeckt werden können
  • Bau von Klassenzimmern, Ausbildung von Lehrer*innen und Zugang zu sicherer und qualitativ hochwertiger Bildung 
  • Aus- und Weiterbildungsangebote sowie Schaffung von Beschäftigungsmöglichkeiten für Jugendliche und Familienmitglieder schutzbedürftiger Haushalte
     
Was muss noch getan werden?

Es ist sehr wichtig, dass humanitäre Hilfe nicht durch die Spannungen und Konflikte in Äthiopien behindert werden.

IRC stellt weiterhin Soforthilfe und langfristige Unterstützung für Geflüchtete und weitere schutzbedürftige Menschen, darunter auch unbegleitete Kinder und Menschen mit Behinderungen, in Äthiopien bereit. Gefördert wird dabei auch der Aufbau der Kapazitäten lokaler Behörden und gemeinnütziger Organisationen. Dabei arbeitet IRC mit Partnerorganisationen zusammen, um den Menschen Zugang zu guten Gesundheitsdiensten zu ermöglichen und sie mit sauberem Wasser versorgungen zu können. Besonders viel Wert wird auf Gesundheitsaufklärung gelegt, Familienplanung und reproduktive Gesundheit, sowie Bildungsmöglichkeiten, mit denen die Lese- und Rechenleistung erhöht und gleichzeitig soziale und emotionale Kompetenzen gestärkt werden können. Jugendliche werden in berufsbezogenen Fähigkeiten geschult.