Fakten

  • IRC ist extrem besorgt über die eskalierenden Spannungen und Feindseligkeiten in der äthiopischen Region Tigray. Sie dürfen die Bereitstellung humanitärer Hilfe auf keinen Fall behindern. Die Bedürfnisse und die Sicherheit der Zivilbevölkerung müssen Priorität haben, fordert Elinor Raikes, IRC-Vizepräsidentin für Krisenreaktion, Wiederaufbau und Entwicklung.
  • Mehr als 8 Millionen Menschen sind in Äthiopien inzwischen auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Es wird erwartet, dass diese Zahl bis Januar auf mehr als 11 Millionen Menschen steigen wird.
  • Nach einem Jahr mit COVID-19-Pandemie und weiteren humanitären Katastrophen sind Geflüchtete, Vertriebene sowie die lokale Bevölkerung besonders schutzbedürftig. Starke Überschwemmungen und eine Heuschreckenplage enormen Ausmaßes haben Ernten vernichtet.
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Länderdaten
  • Bevölkerung: 94 Millionen
  • Geflüchtete und Binnenvertriebene: Fast 740.000
  • Position im Index der menschlichen Entwicklung: 174 von 188
IRC vor Ort
  • Beginn der Arbeit in Äthiopien: 2000

Überblick

Äthiopien, am Horn von Afrika, ist immer noch von den Folgen der schlimmsten Dürre seit Jahrzehnten betroffen. Heute sind etwa 5,6 Millionen Äthiopier*innen auf Nahrungsmittel und Hilfe angewiesen, da eine neue Dürre die Region belastet. IRC liefert sauberes Wasser und errichtet sanitäre Einrichtungen, liefert lebenswichtige Hilfsgüter und andere Soforthilfe für schutzbedürftige Äthiopier*innen und unterstützt gleichzeitig die von der Regierung bereitgestellten Gesundheitsdienste. 

Was hat die Krise in Äthiopien verursacht?

Äthiopien leidet seit Jahrzehnten unter extremer Trockenheit. 2016 war die schlimmste Dürrekatastrophe seit 50 Jahren. Mehr als 10 Millionen Menschen waren damals betroffen. Viele von ihnen waren auf der verzweifelten Suche nach Wasser mehr als 12 Stunden unterwegs. 

Was sind die größten humanitären Herausforderungen in Äthiopien? 

Während die äthiopische Regierung weiterhin den Einsatz gegen die anhaltende Dürre führt, ist noch mehr Unterstützung erforderlich. Millionen betroffene Menschen, die Nahrungsmittel und weitere Soforthilfe benötigen, müssen erreicht werden. 

Seit 2017 kommt es in Ostafrika aufgrund unzureichender Regenfälle gehäuft zu besonders schweren Dürreperioden. Weitere klimatischbedingter Naturkatastrophen, vor allem Überschwemmungen, aber auch die Auswirkungen der COVID-19 Pandemie so wie die jüngste Heuschreckenplage hat dazu geführt, dass inzwischen rund 8 Millionen Menschen in Äthiopien auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen sind. Über 9 Millionen Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Es wird erwartet, dass mehr als 300.000 Kinder im Verlauf der Krise aufgrund akuter Unterernährung behandelt werden müssen. 

Aufgrund der schwierigen Suche nach Wasser, können Kinder oft nicht in die Schule gehen. Frauen und Mädchen sind besonders gefährdet: Sie brauchen saubere und zugängliche Gesundheitszentren und Schutz vor Missbrauch und Ausbeutung. 

Was macht IRC in Äthiopien? 

IRC unterstützt Menschen, deren Leben und Existenzgrundlage durch Konflikte und Katastrophen zerstört wurde und hilft ihnen, zu überleben, sich zu erholen und ihr Leben wieder neuaufzubauen. 

IRC engagiert sich seit dem Jahr 2000 in Äthiopien und leistete über 100.000 Geflüchteten aus Nachbarländern und mehr als 500.000 Äthiopier*innen, die von früheren Dürren betroffen waren, überlebenswichtige Hilfe. Inzwischen unterstützt IRC Geflüchtete, die in Lagern leben, und weitere schutzbedürftige Menschen im ganzen Land. 2013 eröffnete IRC die bisher größte Wasserversorgungsanlage, die in einem Flüchtlingslager je errichtet wurde. 

Etwa 800.000 Geflüchtete und Asylsuchende haben in Äthiopien Zuflucht gefunden. Um sie sowie die Menschen in den aufnehmenden Gemeinden zu unterstützen, leistet IRC Hilfe vor allem in diesen Bereichen:  

  • Aufbau und Aufrechterhaltung sicherer Wasserversorgungssysteme und Sanitäranlagen
  • Aufklärung der Gemeinden über Hygienepraktiken, um die Ausbreitung von Krankheiten zu verhindern
  • Unterstützung von Partnerorganisationen und Mitarbeitenden in Gemeineverwaltungen und Gesundheitskliniken, die Patient*innen bei der Prävention und Behandlung von häufigen Kinderkrankheiten sowie der Familienplanung unterstützen
  • Verteilung von Gütern zur Grundversorgung wie Haushaltsküchensets, Decken, Eimer und Kanister sowie Produkte, mit denen spezifische Bedürfnisse von Frauen und Mädchen gedeckt werden können
  • Bau von Klassenzimmern, Ausbildung von Lehrer*innen und Zugang zu sicherer und qualitativ hochwertiger Bildung 
  • Aus- und Weiterbildungsangebote sowie Schaffung von Beschäftigungsmöglichkeiten für Jugendliche und Familienmitglieder schutzbedürftiger Haushalte
     
Was muss noch getan werden?

IRC stellt weiterhin Soforthilfe und langfristige Unterstützung für Geflüchtete und weitere schutzbedürftige Menschen, darunter auch unbegleitete Kinder und Menschen mit Behinderungen, in Äthiopien bereit. Gefördert wird dabei auch der Aufbau der Kapazitäten lokaler Behörden und gemeinnütziger Organisationen. Dabei arbeitet IRC mit Partnerorganisationen zusammen, um den Menschen Zugang zu guten Gesundheitsdiensten zu ermöglichen und sie mit sauberem Wasser versorgungen zu können. Besonders viel Wert wird auf Gesundheitsaufklärung gelegt, Familienplanung und reproduktive Gesundheit, sowie Bildungsmöglichkeiten, mit denen die Lese- und Rechenleistung erhöht und gleichzeitig soziale und emotionale Kompetenzen gestärkt werden können. Jugendliche werden in berufsbezogenen Fähigkeiten geschult.