Da ein Ende des Krieges in der Ukraine nicht in Sicht ist, stehen Millionen Menschen im Land vor einem harten Winter. 

Etwa 6,5 Millionen Menschen wurden aus ihren Häusern vertrieben und sind nun mit eisigen Winterbedingungen konfrontiert. Viele suchen Schutz in beschädigten Gebäuden und haben nur begrenzten Zugang zu Lebensmitteln, Strom und Wärme. 

Seit Beginn des Krieges ist IRC in enger Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen vor Ort, um die Menschen in Not zu erreichen. Weil es immer kälter wird, hat IRC die Nothilfe aufgestockt und verteilt lebenswichtige Güter, darunter Decken und Heizgeräte.

Erfahren Sie mehr über die Auswirkungen des Krieges für die Menschen in der Ukraine und weltweit. 

Wie kalt ist der Winter in der Ukraine? 

Der Winter in der Ukraine bringt Schnee und Kälte, mit Temperaturen, die weit unter den Gefrierpunkt fallen. In den Wintermonaten von Dezember bis März liegen die Durchschnittstemperaturen zwischen -5 Grad Celsius und 2 Grad Celsius. In einigen Regionen, in denen auch IRC tätig ist, sinken die Temperaturen regelmäßig sogar auf bis zu -22 Grad Celsius.

Geflüchtete aus der Ukraine kommen am Grenzübergang Medyka in Polen an.
Foto: Francesco Pistilli/IRC

Wie sind die Lebensbedingungen in der Ukraine?

Seit 2014 sind die Menschen in der Ostukraine vom Konflikt betroffen. Die Lage im Land hat sich seit Ausbruch des Krieges im Februar erheblich verschlechtert. Die jüngsten Angriffe beschädigten die ukrainische Energieversorgung, so dass es immer wieder zu Stromausfällen kommt. Mitte November waren an einem einzigen Tag mehr als 7 Millionen Ukrainer*innen ohne Strom. Die dadurch verursachte fehlende Wärme ist lebensbedrohlich, wenn die Temperaturen weit unter den Gefrierpunkt sinken.

17,7 Millionen Menschen in der Ukraine sind jetzt auf humanitäre Hilfe angewiesen. 

Was brauchen die Menschen in der Ukraine, um den Winter zu überstehen?

Hilfsmaßnahmen müssen aufgestockt werden. Die Bevölkerung braucht sichere Unterkünfte, medizinische Versorgung und sauberes Wasser, um diesen Winter zu überstehen.

„In beschädigten Unterkünften, ohne Strom und Wärme, wird es für viele Menschen unglaublich schwierig, diesen Winter zu überleben”, sagt Marysia Zapasnik, Landesdirektorin des IRC in Ukraine. „Dies könnte auch zu einem dramatischen Anstieg der Zahl Binnenvertriebener führen, die auf der Suche nach Schutz und Wärme in andere Teile des Landes flüchten.”

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt davor, dass durch die Situation im Land Erfrierungen, Unterkühlungen, Lungenentzündungen, Schlaganfälle und Herzinfarkte zunehmen werden. Die Menschen könnten Schwierigkeiten haben, sauberes Wasser zu finden. Kranke haben möglicherweise keinen Zugang zu medizinischer Versorgung. Seit Beginn des Krieges gab es über 700 Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen, wobei viele davon beschädigt oder zerstört wurden. Einer der jüngsten Angriffe kostete einem Neugeborenen das Leben.

Mitarbeiter einer medizinischen Einrichtung in Saporischschja, Ukraine, verteilen von IRC bereitgestellte medizinische Hilfsgüter.
Foto: IRC

Wer ist im Winter in der Ukraine am meisten gefährdet?

Mehr als 6,5 Millionen Menschen wurden im Land vertrieben. Sie sind von Zuhause geflohen, um sich vor der Gewalt in Sicherheit zu bringen. Nun stehen sie vor der neuen Herausforderung, diesen Winter zu überstehen.

Die Vertriebenen waren gezwungen, ihre Häuser schnell zu verlassen. Viele von ihnen nahmen nur das mit, was sie in diesem Moment tragen oder in ein Auto packen konnten. Die vertriebenen Familien suchen Schutz, wo sie ihn finden können, oft in Gebäuden, die für die eisigen Temperaturen nicht geeignet sind. Viele die im Frühjahr geflohen sind, haben weder Kleidung für kalte Wintermonate noch wärmende Decken mitgenommen.

Marina hält ihren Sohn im Arm. Gemeinsam mit ihrem Mann Sergii stehen sie vor ihrem Haus, das Anfang des Jahres durch einen Raketenangriff zerstört wurde. Marinas Familie ist nun vertrieben und lebt in einer Behelfsunterkunft.
Foto: Diana Zeyneb Alhindawi/IRC

Auch ältere Menschen sind durch den strengen Winter in diesem Jahr besonders gefährdet. Sie sind in der Regel weniger mobil als jüngere und können ihre Häuser nicht mehr verlassen, um sich in Sicherheit zu bringen. Mit dem Konflikt und dem hereinbrechenden Winter in den zerstörten Gemeinden verlieren ältere Menschen oft den Zugang zu alltäglichen Dienstleistungen, Nahrung und anderen Gütern. Der eingeschränkte Zugang zu Strom und Kommunikation hat es den Familien auch erschwert, sich um ihre Eltern und Großeltern zu kümmern. Manchmal wissen sie nicht einmal, ob Angehörige noch am Leben sind. 

„Viele Mitarbeitende unserer Partnerorganisationen haben Familienangehörige, die in Gebieten leben, in denen es keine Telefonverbindung mehr gibt”, sagt Marysia. „Manchmal vergehen Monate, in denen sie nicht wissen, ob ihre Angehörigen noch leben oder nicht. Dann bekommen sie plötzlich einen Anruf von einem Freund eines Freundes, der in diese Gegend zurückgekehrt ist ihre Eltern getroffen hat.”

Wie hilft IRC den Menschen in der Ukraine, diesen Winter zu überstehen?

IRC wird in diesem Winter Decken, Schlafsäcke, Öfen, Heizgeräte und Brennstoff bereitstellen. In den umkämpften Gebieten wird IRC Materialien für Unterkünfte sowie PVC und Sperrholz zum Abdichten von Löchern in Dächern, Wänden und Fenstern bereitstellen. Zudem leistet IRC Bargeldhilfen, damit Familien dort, wo lokale Märkte funktionieren, das kaufen können, was sie am dringendsten benötigen. 

„Wir brauchen dringend mehr finanzielle Unterstützung, um die Winternothilfe umfangreich ausweiten zu können”, sagt Marysia. „Es ist ein Wettlauf mit der Zeit.”

Außerdem verteilt IRC Hygieneartikel wie Zahnbürsten und Seife, unterstützt Gesundheitseinrichtungen und klärt Vertriebene über Rechte und Hilfsmöglichkeiten auf. Gemeinsam mit lokalen Partnern leistet IRC Rechtsberatung für Ukrainer*innen, die infolge der Gewalt ihre Häuser oder wichtige Dokumente verloren haben. Darüber hinaus bietet IRC sichere Orte für Geflüchtete sowie Schutzmaßnahmen für Kinder.

Erfahren Sie mehr über die Nothilfe von IRC für Vertriebene und Geflüchtete aus der Ukraine und wie Sie helfen können