Wenn Du dein Zuhause verloren hast, gibst Du anderen Geborgenheit.

Jeden Tag engagieren sich Menschen, die vor Krieg und Verfolgung geflohen sind, im Kampf gegen COVID-19. Auf der ganzen Welt setzen sie sich ein, um anderen zu helfen: Von der Lieferung von Lebensmittelpaketen bis zum Austausch lebenswichtiger Informationen über COVID-19 haben sie alles getan, damit sich andere nicht allein fühlen.

 Jean Marie

Geflüchteter. Jugendaktivst. Engagierter Nachbar.

Jean Marie ist ein Geflüchteter, der sich während der Pandemie in Kenia engagiert.
„Meine größte Stärke ist es, mich mit anderen Jugendlichen auszutauschen”, sagt Jean Marie. „Sie geben mir die Kraft, weiterzumachen.”
Foto: Nyasha Kadandara/IRC

Jean Marie Ishimwe ist 23 Jahre alt. Die Herausforderungen, denen Geflüchtete in Nairobi, Kenia, gegenüberstehen, kennt er nur zu gut. Er ist selbst ein Geflüchteter – aus Ruanda. Für Jugendliche macht er sich stark, hat eine Gruppe mitbegründet, in der geflüchtete Jugendliche digitale Fähigkeiten erlernen können und er ist Co-Vorsitzender einer weiteren Jugendorganisation.  Jetzt – mitten in der COVID-19-Pandemie – tut er, was er am besten kann: koordinieren und motivieren. Damit will er junge Menschen mobilisieren, damit sie bei der Eindämmung des Coronavirus helfen.

Es gibt nichts Unbedeutendes während dieser Pandemie. Alles ist wichtig.”

Der Aktivist wusste, dass nicht nur Geflüchtete sondern auch Orstansässige während der Pandemie Probleme bekommen würden. Also organisierte er Jugendliche, die Geld sammelten und Lebensmittelpakete zusammenstellten, um eine Familie zwei bis drei Tage lang versorgen zu können. Die Teilnehmer*innen legen auch Nase-Mund-Masken in die Pakete und klären die Empfänger*innen über COVID-19 auf.

Ich habe mich nicht angesteckt. Trotzdem bin ich betroffen”, sagt Jean Marie. Die Pandemie, so der junge Mann, habe alle Lebensbereiche erfasst. Alle müssten sich an der Umsetzung der Maßnahmen beteiligen.

Wir müssen uns verpflichten, den Menschen in unserem sozialen Umfeld auf jede erdenkliche Weise zu helfen. Es gibt nichts Unbedeutendes während dieser Pandemie. Alles ist wichtig.”

Ammar

Geflüchteter. Maskenmacher. Ernährer.

Ammar stellt während der Pandemie Gesichtsmasken in Griechenland her
„Meine Antwort auf die Pandemie war eine ganz normale menschliche Reaktion: Ich wollte meinen Mitmenschen helfen, durch diese Krise zu kommen”, sagt Ammar.
Foto: Apotolis Nikolaidis/IRC

2015 wurde die kleine Stadt in Syrien, in der Ammar wohnte, von „Islamischer Staat“ (IS) überrannt. Ammar floh aus seiner Heimat und kam zunächst in die Türkei. Dort arbeitete er als Koch. Dann überquerte der Syrer die Ägäis und gelangte nach Griechenland. Zehn Monate lang lebte er in einem Lager auf der Insel Chios, bevor er nach Athen kam. Hier setzt er sich als Ehrenamtlicher nun dafür ein, dass sich die Menschen um ihn herum während der Pandemie schützen und ernähren können.

Ich habe in Istanbul kochen gelernt; jetzt bereite ich 2.000 Mahlzeiten für besonders schutzbedürftige Menschen zu, die sich das Essen selbst nicht leisten können”, sagt er. Täglich nähen wir auch Masken und liefern sie aus - einige an Krankenhäuser, andere in die Flüchtlingslager und auch an umliegende Gemeinde in Athen.

Ich spürte die Einheit im Kampf gegen diese Pandemie und ich wollte ein Teil davon sein.“

Meine Antwort auf die Pandemie war eine normale menschliche Reaktion: Ich wollte meinen Mitmenschen helfen, durch diese Krise zu kommen. Ich spürte die Einheit im Kampf gegen diese Pandemie und wollte ein Teil davon sein. Ich fand eine Organisation, die Masken herstellt, und eine andere, die für Obdachlose kocht. Es ist eine Ehre für mich, die Menschen hier in dieser Zeit zu unterstützen.

An diesem Weltflüchtlingstag möchte ich andere wissen lassen, dass Geflüchtete wichtige Beiträge leisten können. Sie sind keine Bedrohung. Der einzige Unterschied zwischen Geflüchteten und anderen Menschen ist, dass wir unsere Heimatländer verlassen mussten.

Geflüchtete und Asylsuchende sind eine große Gruppe von Menschen mit Träumen und Hoffnungen und einem Ziel: Wir wollen dem Land helfen, das seine Türen für uns und unsere Familien öffnet.”

Henry: Geflüchteter. Berater. Vertrauensperson.

Henry Tbilisi, Moderater bei der Online-Plattform Refugee.Info.
„Dies ist eine gefährliche Zeit ... überall und jederzeit gibt es gefälschte Nachrichten. Daher ist es besonders wichtig, dass uns die Nutzer*innen vertrauen“, sagt Henry Tbilisi, Moderater bei der Online-Plattform Refugee.Info.

Henry Tbilisi, in Nigeria geboren, arbeitet nun in Italien für International Rescue Committee (IRC) als Moderater bei der Online-Plattform Refugee.Info. Hier macht er Faktenchecks, um mögliche Falschinformationen zu identifizieren und beantwortet Fragen von Asylsuchenden und Geflüchteten, die kürzlich ins Land gekommen sind.

Seine eigene Fluchterfahrung nutzt Henry, um anderen zu helfen, sich nicht so allein zu fühlen. Auch will er das Bewusstsein für #COVID19 schärfen.

„Es gibt Tote. Die Menschen sind wirklich besorgt“, sagt er. „Für Geflüchtete, Migrant*innen und Asylsuchende in Italien ist die Situation unglaublich schwierig. Es gibt Menschen, die auf sich allein gestellt sind - wie bleibt man Zuhause, wenn man keins hat?“

„Wir informieren über das Coronavirus und über Hilfsangebote oder Unterkünfte. Dies ist eine gefährliche Zeit ... überall und jederzeit gibt es gefälschte Nachrichten. Daher ist es besonders wichtig, dass uns die Nutzer*innen vertrauen.“

„Die Menschen tun so, als gäbe es keinen Rassismus. Dabei ist es ein globales Problem, dass wir bekämpfen müssen.“

„Wer Rassismus erlebt, weiß nicht, an wen man sich wenden kann“, sagt Henry über eine weitere Herausforderung, vor der viele zugewanderte Menschen stehen. „Wir vermitteln an Beratungsstellen - und was am wichtigsten ist, wir hören ihnen wirklich zu.“

Die Leute tun so, als gäbe es keinen Rassismus oder sagen: 'Ich bin kein Rassist'. Aber Rassismus gibt es überall. Ich kann Ihnen nicht sagen, wie oft ich als Schwarzer Rassismus erlebt habe. Es ist ein globales Thema und wir müssen es bekämpfen. Der Fall von George Floyd hat einen Nerv getroffen.Jetzt kommen die Menschen zu Wort... Die Welt muss erkennen, dass wir alle Menschen sind und dass alle Menschen gleich sind.“